Globalisierung neu: Chinas Löhne nähern sich westlichem Niveau an

Höhere Löhne, höhere Währungskurse, höhere Steuern und Abgaben. Die "billigen" Länder werden immer teurer.

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Barazon Ronald Barazon

Die Globalisierung wird erwachsen: Die Löhne in China sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen und nähern sich dem Niveau, das in den schwächeren europäischen Staaten üblich ist.

Auch innerhalb der EU ist diese Feststellung am Platz. Die Krise in Griechenland hat die Löhne drastisch sinken lassen. Auch in Portugal kann man billig produzieren. Ebenso in den osteuropäischen Staaten.

Noch ist damit die Wettbewerbsverzerrung nicht beseitigt. Es gibt nach wie vor Länder, die mit extrem niedrigen Löhnen locken. Die Ironie: Nun muss auch China fürchten, dass Firmen in Billiglohnländer abwandern.

Die Entwicklung in China zeigt die Vorteile der Globalisierung. Die Verlagerung von Fa briken schwächt zwar zuerst die Industrie staaten, sie trägt aber zum Aufbau der Volkswirtschaften in den Entwicklungsländern bei, die zu attraktiven Märkten für alle werden.

Für viele Firmen ist China heute weniger eine billige Werkstätte, sondern vor allem ein wachsender Markt für Konsum- und Investi tionsgüter. Diese Situation wäre ohne Globalisierung nicht zustande gekommen. Hier darf nicht unerwähnt bleiben, dass China den westlichen Firmen den Zugang zum eigenen Markt erschwert. Mit den Fabriken im Land kann das Potenzial aber genutzt werden.

Eine ähnliche Entwicklung wie in China zeichnet sich in allen Entwicklungsländern ab, sodass letztlich ein globaler Markt entsteht. Der Erfolg der Länder führt nicht nur zu einem Anstieg der Löhne, sondern treibt auch die Währungskurse in die Höhe. Zudem werden höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge kassiert. Letztlich setzen sich international vergleichbare Kostenstrukturen durch.

Fazit: In Zukunft wird man überall produzieren können und überall kaufkräftige Konsumenten und Investoren vorfinden.

Diese Perspektive bedeutet nicht, dass man sich zurücklehnen und gemütlich abwarten kann. Das Entstehen von modernen Volkswirtschaften weltweit bedeutet, dass ein scharfer Wettbewerb zwischen den Staaten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden wird. Die Unternehmen in den Industriestaaten haben die Botschaft in der schon über dreißig Jahre andauernden Globalisierung verstanden: Nur mit attraktiven Produkten, für die hohe Preise gezahlt werden, konnte man in den entwickelten Industriestaaten überleben. Und ist für den noch schärfer werdenden Wettbewerb gerüstet.

Versagt haben die Staaten, die, mit wenigen Ausnahmen, enorme Kosten verursachen. Kosten, die die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen gefährden. Die Globalisierung ist dabei, erwachsen zu werden, die Politik noch lange nicht.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 02:43 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/globalisierung-neu-chinas-loehne-naehern-sich-westlichem-niveau-an-316528

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