Manche dreschen mit dem Flegel, andere nutzen einen Mähdrescher

Die Automatisierung wird derzeit als katastrophale Bedrohung dämonisiert. Die neue Technik eröffnet großartige Chancen.

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Barazon | Nationale und internationale Politik und Wirtschaft Ronald Barazon

Das jüngste Schreckgespenst, vor dem man sich so richtig fürchten kann, heißt "Industrie 4.0". Diese Neuerung werde dafür sorgen, dass die meisten Arbeitsplätze von Robotern übernommen werden und folglich eine Massenarbeitslosigkeit ausbrechen muss.

Allerorten wird auch schon von Politikern und Gewerkschaftern aufgerüstet, um durch die verschiedensten Maßnahmen den Siegeszug der Computer, Automaten, Roboter und 3D-Drucker zu bremsen. Besorgte Bürger wählen Populisten, die sich als Bollwerk gegen die drohenden Belastungen aufspielen.

Zur Beruhigung könnte ein Besuch im Freilichtmuseum Großgmain beitragen, das vom 26. Dezember bis zum 8. Jänner geöffnet ist. Zu sehen ist eine in der Scheune stehende Dreschmaschine: Dieses Gerät hat den Flegel abgelöst und bildete eine Zwischenstation auf dem Weg zum Mähdrescher, der mobil die Mahd und den Drusch auf dem Feld erledigt. In der Phase der Dreschmaschine befinden sich derzeit die Industrie und das Gewerbe.

Überall stehen Computer in den Unternehmen, Internet gehört zum Alltag, auch Automaten werden genutzt, man bekommt den Eindruck aufregender Modernität. Nur steckt die Technik selbst in den Kinderschuhen und stolpert von einem Update zum nächsten. Zahlreiche Anwender schreiben noch die Rechnungen auf der Schreibmaschine, dreschen also noch mit dem Flegel.

Der Weg zum Mähdrescher 4.0 hat eben erst begonnen und so empfiehlt sich ein Blick auf die Folgen der Automatisierung der Landwirtschaft. In den Dreißigerjahren lebte ein Viertel der Bevölkerung vom Agrarbereich, jetzt sind es etwa drei Prozent. Eine Katastrophe? Nein!

Tatsächlich hat die Wirtschaft einen unglaublichen Aufschwung genommen, heute verdienen viel mehr Menschen sehr viel mehr als in den Dreißigerjahren, obwohl - nein, weil - die Technisierung alle Bereiche seit Jahrzehnten revolutioniert. Den Wohlstand von heute gäbe es nicht ohne den Wechsel der Menschen aus dem Agrarbereich in die Produktion und in die Dienstleistung.

Und genauso ist es jetzt: Von Google und Amazon kann jedes Unternehmen lernen, welche Möglichkeiten das Internet bietet. Und diese Möglichkeiten können nur Mitarbeiter nutzen, viele Mitarbeiter. Die ungeliebte Buch haltung, die so mancher noch in der Schuhschachtel zum Steuerberater trägt, ist - oder: wäre - mit modernen Programmen ein Management-Instrument, das jede Firma widerstandsfähiger macht. Computergesteuerte Maschinen ermöglichen die Herstellung maßgeschneiderter Produkte zu erträglichen Kosten.

Es gilt rasch den Mähdrescher 4.0 zu akzeptieren und nicht dagegen zu opponieren.

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