Muss erst Wien in Trümmern liegen, Salzburg verwüstet sein?

In Österreich gibt es nur minimale Versicherungen gegen Erdbebenschäden. Der Staat wäre im Ernstfall überfordert.

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Barazon Ronald Barazon

Würde ein Erdbeben, das Wien oder Salzburg oder eine andere Stadt oder reihenweise Dörfer verwüstet, der Regierung klarmachen, dass eine Katastrophenversicherung notwendig ist? Vermutlich nicht. Die hohen Damen und Herren würden mitleidvoll ausrücken, einige Trümmer kamerawirksam in die Hand nehmen und Versprechungen abgeben. Dass der Staat helfen werde, dass der Katastrophenfonds bereitstehe. Und erklären: "Wir sind im Geiste und im Herzen bei den Opfern."

Vermutlich wird den Mitgliedern der Bundesregierung erst klar werden, was Vorsorge für den Katastrophenfall bedeutet, wenn das Gebäude des Bundeskanzleramts in sich zusammenfällt. Aber auch nur, wenn dies während einer Kabinettssitzung erfolgt. In diesem Fall würde aber die Einsicht zu spät kommen.

Dass die Erdbebenserie, die derzeit Italien erschüttert, auf Österreich übergreift, ist nicht unwahrscheinlich. Die Katastrophen ereignen sich, weil die Afrikanische Platte nach Norden vorstößt, auf Italien trifft und der Druck sich weiter in Richtung Österreich fortsetzt. In den vergangenen Tagen gab es österreichweit Erschütterungen, die keine verheerenden Folgen hatten. Wie lange noch?

Um für Erdbeben, aber auch für andere Katastrophen wie Hochwasser, Starkregen oder ähnliche Ereignisse gerüstet zu sein, müssen Milliarden zur Verfügung stehen. Aus den leeren, schulden- und defizitgeplagten Staatskassen werden die erforderlichen Milliarden nicht kommen. Helfen könnte bei einer Katastrophe nur eine Versicherung, die auch durch das weltumspannende Netz der Rückversicherungen abgesichert ist.

Dieses Netzwerk, das Milliardenschäden Jahr für Jahr abdeckt, steht für Österreich nicht zur Verfügung, weil im Land kein ausreichendes Prämienaufkommen erzielt werden kann. Die Praxis zeigt, dass freiwillig nur wenige bereit sind, eine Katastrophenversicherung abzuschließen. Um eine tragfähige Basis an Prämien zu haben, bedarf es einer gesetzlichen Verpflichtung zum Abschluss einer Katastrophenversicherung für alle Hauseigentümer. Vor allem: Nur durch die große Zahl kann die einzelne Prämie niedrig gehalten werden.

Die Politik müsste eine Regelung nach dem Muster der Kfz-Haftpflichtversicherung beschließen. Dies geschieht trotz spektakulärer Ereignisse, wie etwa das Hochwasser 2002 oder nun die Erdbeben vor der Haustür, nicht.

Die Haltung der Politik ist nicht erklärbar. Ist die Insel der Seligen gegen Katastrophen gefeit? Glaubt man tatsächlich, dass der Staat in der Lage ist zu helfen? Weiß man in der Regierung und im Parlament nicht, wie jämmerlich bescheiden die Zahlungen des so gern zitierten Katastrophenfonds sind?

Aufgerufen am 12.12.2018 um 06:50 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/muss-erst-wien-in-truemmern-liegen-salzburg-verwuestet-sein-921820

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