Die Welt schaut und kommt

Ein Plakat in der Altstadt erklärt, wie Salzburg im Sommer funktioniert.

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Spielplan 04/08 Bernhard Flieher

"Welt, schau auf uns" steht auf einem Transparent. Es weht über der Linzer Gasse. Je nachdem aus welcher Entfernung man dieses Plakat betrachtet, sind im Hintergrund die barocke Kulisse der Stadt, die Festung, der Mönchsberg oberhalb oder unterhalb des Plakates zu sehen. Luftig schwebend. Oder doch erdrückend. Das kann man sich aussuchen, wenn genug Platz in der Gasse ist zwischen den Touristen und man sich seinen Platz suchen zu kann und nicht im Strom Richtung Sehenswürdigkeiten mitten im Storm mitschwimmen zu müssen. Altstadtgasse halt. Sommer eben. Beworben wird mit dem Plakat die Inszenierung von "Die Perser", dem ältesten, erhaltenen Drama der Welt. Das ist ein Stück, in dem Autor Aischylos vor dem Hintergrund einer Schlacht über die Demut im Sieg und die Größe in der Niederlage philosophiert. Dass die Welt auf Salzburg schaut, gefällt den meisten Leuten hier, auch und vor allem den lokalen Politgrößen und denen die mit der Welt draußen mehr verdienen als mit denen, die hier daheim sind.

"Welt, schau auf uns" steht da. Und es könnte auch als Schrei nach Hilfe von Sterbenden in einer Schlacht, von Untergehenden im Meer oder anderen Ausgestoßenen sein. In Salzburg klingt "Welt, schau auf uns" nicht nach Besorgnis. Es klingt nach jener Selbstverständlichkeit, mit der sich in dieser Stadt Gästebetten und Gässchen mit Touristen füllen. Die Welt nämlich will nicht nur schauen, sie will auch kommen. Überall dorthin, von wo ihr erzählt wird, dass es ganz wunderschön sei.

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