Fifa sei Dank: Alles unpolitisch korrekt!

Nebenschauplätze: Maradona raucht, während im Iran Frauen ins Stadion wollen.

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Matchplan 18/06 B Bernhard Flieher

Die Fifa hatte, neben ihrer selbstdefinierten Existenz als Weltverbesserungsmaschine, schon in den ersten Tagen der WM ein paar Schmankerl parat, die beweisen, dass sie, die Fifa, ein gerechter und um Gleichheit und Gerechtigkeit bemühter Verein ist. Menschenliebe wird hier fast so groß geschrieben wie die Gewinne und in diesem Sinn werden die Regeln ausgelegt, wie es gerade passt.
Erster Ernstfall: Die Anti-Raucherkontrollen am Stadioneingang von Moskau funktionieren nicht. Wie anders hätte Diego Maradona sonst seine dicke Zigarre hineingebracht. Beim Match Argentinien gegen Island saß er trotz radikalem Rauchverbot in den fifa-regierten Stadien paffend in der VIP-Lounge. Aber ein Maradona schert sich auch nicht, dass das Spiel Fuß-ball heißt und um die englische Abwehr scherte er sich auch nicht, damals im 86er Jahr bei seinem Jahrhundert-Sololauf in Mexiko. In der Hand Gottes liegt es also auch, darüber zu befinden, wo geraucht wird und wo nicht. Das ist sympathisch, weil Maradona ein Held ist - und Helden dürfen immer mehr als wir anderen. Und auch wenn sie sich bei der Fifa so aufführen wie in einer Religionsgemeinschaft, gilt: Es gibt nur einen Gott und in dessen Hand, die schon Tore schoss, liegt nun eben eine Zigarre mitten im Rauchverbot.

Zweiter Ernstfall: Beim ersten Sieg des Iran bei einem WM-Spiel waren auf den Tribünen Plakate zu sehen. Darauf stand "#NoBan4Women". Unterstützt wurde damit eine Aktion, die fordert, dass iranische Frauen in ihrer Heimat, Fußballstadien besuchen dürfen. Seit fast 40 Jahren ist das Stadionverbot für Frauen im Iran in Kraft. Das iranische Präsidialamt versucht, dieses über verschiedene Kanäle aufzuheben. Dafür müssten in den Stadien jedoch Tribünen extra für Frauen errichtet werden. Beim WM-Spiel in St. Petersburg waren auch weibliche Iran-Fans im Stadion zu sehen. So eine weltweit zu sehende Plakataktion ist redlich und gut und wichtig und hat Sprengkraft. Die Fifa nämlich verbietet ja politische Äußerungen in ihren Stadien. Da kann es schon sein, dass man sein Pepsi-Leiberl ausziehen muss, weil Coca-Cola der Sponsor ist. Und jetzt das. Plakat! Frauen rein ins Stadion! Aber die Fifa überrascht, spielt sich durch ein gefinkeltes, taktisches Manöver frei. Was soll denn an diesen Plakaten politisch sein, fragt die Fifa. Das ist doch nicht politisch, sagt die Fifa. Da handle es sich doch um eine soziale Aktion. Und mit sozialen Aktionen, die nicht politisch sind, damit kennt sich die Fifa aus. Zum Beispiel nimmt die Fifa auch an (und betont es immer und immer und immer wieder), dass Fußball unpolitisch sei. Für den Ball wird das gelten. Es gilt ganz sicher nie und nimmer für die Orte, an denen der Ball rollt.

Aufgerufen am 19.10.2019 um 04:15 auf https://www.sn.at/kolumne/blog/fifa-sei-dank-alles-unpolitisch-korrekt-29353480

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