Kurz und erfreulich: Hochmair on Domplatz!

Tobias Moretti fällt aus. Also verbrachte Philipp Hochmair wahrscheinlich die Nacht mit Jedermann, um ihn erleben zu können.

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Spielplan 09/08 Bernhard Flieher
Philipp Hochmair während der YDP II - Fotoprobe des neuinszenierten Schauspiels "Jedermann", am Freitag, 2. August 2013, in der ARGEkultur in Salzburg. SN/APA/BARBARA GINDL
Philipp Hochmair während der YDP II - Fotoprobe des neuinszenierten Schauspiels "Jedermann", am Freitag, 2. August 2013, in der ARGEkultur in Salzburg.

Schauspielerei ist harte Arbeit. Wer es probiert, ohne dass er Schauspieler ist oder es gelernt und studiert hat, weiß das. Manche sind aber auch Naturtalente, gehen in die Politik oder verkaufen erfolgreich etwas, das niemand braucht. Schauspielerei, halt nicht als Kunst, sondern als bloße Verstellung, umgibt uns immer und überall. Da muss man nicht ins Theater oder auf den Domplatz. Immer umgibt uns Vorspielerei. Der Unterschied ist halt: Dort, mit dem Blick auf eine Bühne, wissen wir um dieses Spiel, kaufen dafür Eintrittskarten, lassen wir uns absichtlich bespielen, und dort erhoffen manche einen Erkenntnisgewinn und manche haben halt eine Karte geschenkt bekommen. Im Leben außerhalb des Theaters passiert die Schauspielerei durch die Hintertür, überfällt uns im Tarnanzug der Normalität und Echtheit.

Dieser Eingang durch die Hintertür ist Philipp Hochmair unbekannt. Und einen Tarnanzug hätte er nur an, wenn es der Rolle diente. Er kommt zwar jetzt quasi auch durch die Hintertür auf den Domplatz, aber es ist nicht die Hintertür des Betruges, wie ihn die PR-Maschinen und die Werbe- und Verkaufswelt inszenieren. Bei Hochmair ist es die Hintertür des Zufalls. Tobias Moretti ist krank, haben wir am Mittwochnachmittag erfahren. Gute Besserung! Und dem Hochmair gutes Gelingen beim Einspringen. Hochmair hatte zwei Tage und eine Nacht, um sich Text und Inszenierung anzueignen.

Und er hat den Vorteil, dass er sich für die Inszenierung "Jedermann reloaded" ohnehin schon einmal den ganzen Text vorgenommen hatte. Und mit "ganzer Text" ist nicht die Rolle des Jedermanns gemeint, sondern der Text des ganzen Stückes. Das hat er, begleitet von Rockmusik, im Rahmen des Young Directors Project 2013 aufgeführt. Und was heißt schon aufgeführt. Er hat es allein gelebt, dieses Stück. Hochmair ist keiner, der durch die Hintertür kommt. Er fährt am Haupteingang vor, gibt noch einmal Gas und stürzt sich ins Geschehen. Dafür muss man seinen Beruf richtig gut beherrschen und trotzdem weit entfernt davon agieren, nur etwas vorspielen zu wollen.

Einmal vor vielen Jahren, Hochmair war schon hervorragend, aber noch nicht so bekannt, wie er es wegen seiner Rolle in "Vorstadtweiber" jetzt auch denen ist, die vom Theater nichts wissen, saßen wir zum Interview in Hallein. Es ging in dem Gespräch um Lederhosen, mit denen er damals so gern herum rannte. Vor allem aber ging es recht bald und ohne jede Absicht um die Entblößung und die Entäußerung, die seinen Beruf ausmacht. Es ging um etwas in der Sprache, in der Rolle, in der Art, wie es gespielt wird, das ganz von ihm Besitz ergreifen müsse, damit er es zu mehr machen kann als zu einem Spiel. Als er davon redete, saß Hochmair - wie auch bei weiteren Gesprächen - nicht mehr einfach nur da und redet. Er rang mit sich und seinem Tun und dem Erklären dieses Tuns und Tun-Müssens so existentiell wie er es als Jedermann tun wird, um irgendeinen Begleiter für den Weg ins Jenseits zu finden. Und dann muss er doch allein gehen.


Aufgerufen am 10.12.2018 um 02:54 auf https://www.sn.at/kolumne/blog/kurz-und-erfreulich-hochmair-on-domplatz-38567977

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