Olympische Freudenfeuer bleiben unauslöschlich in Erinnerung

SN-Kolumnist Felix Gottwald über die wesentlichen Augenblicke, die Olympia in uns allen lebendig macht.

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Gut kombiniert Felix Gottwald
Unvergessliche Momente für den nordischen Kombinierer Lukas Klapfer, der imEinzelbewerb die Bronzemedaille bei den Spielen in Pyeongchang holte. SN/GEPA pictures
Unvergessliche Momente für den nordischen Kombinierer Lukas Klapfer, der imEinzelbewerb die Bronzemedaille bei den Spielen in Pyeongchang holte.

Kaum ist das olympische Feuer entzündet, lösen sich meist auch die (berechtigten und notwendigen!) Diskussionen über Sinn und Unsinn von Olympischen Spielen in Rauch auf. Verzieht sich auch der Rauch, wird der Blick endlich frei für das Wesentliche, das auf Pisten, Loipen, Schanzen und am Eis passiert. Da ist sie dann plötzlich wieder spürbar, die Faszination, die immer wieder neu entflammt durch menschliche Emotionen: Dieser Funke der Begeisterung, der überspringt, zum Flächenbrand wird und den Mythos der fünf Ringe immer wieder neu befeuert.

Oft fehlen Protagonisten die Worte und trotzdem ist alles gesagt, weil ihre Gesichter die wahre Geschichte erzählen. Geschichten großer Erleichterung bei jenen, die in der Favoritenrolle nach Korea gekommen sind, und der puren Freude bei den anderen, die plötzlich, oft zu ihrer eigenen Überraschung, auf der Weltbühne des Sports eine Hauptrolle spielen. Es sind die olympischen Freudenfeuer fürs Herz, die unauslöschlich in unserer Erinnerung bleiben werden: Wie Olympiasieger David Gleirscher verwirklichte, was Papa Gerhard bei drei Olympiateilnahmen verwehrt geblieben war. Oder wie Marcel Hirscher nach seiner ersten Goldmedaille Papa Ferdl vor laufender Kamera am Handy erreichte: Erleichterung, Dankbarkeit, Freude, Tränen - man kann nicht nicht begeistert und berührt sein, als Augenzeuge solcher Augenblicke. Auch die Bronzemedaille von Kombinierer Lukas Klapfer war ein Augenblick, in dem Erleichterung und Freude eins geworden sind, wie die Silberne von Peter Penz und Georg Fischler im Rodeln.

Freude, auch das lehrt uns Olympia, ist grenzenlos. Der Funke der Begeisterung springt auch über, wenn sich im Skiathlon der Herren ein Olympiatraum nach 100 von 30.000 Metern aufzulösen scheint und am Ende dank einer außergewöhnlichen Teamleistung doch noch ein Dreifacherfolg der Norweger steht. Wenn Biathletin Laura Dahlmeier allen Erwartungen gerecht wird und im Augenblick des größten Erfolgs ganz sie selbst bleibt. Wenn ihr männliches Pendant Martin Fourcade nach einer Auftaktniederlage gleich Olympiagold in der Verfolgung gewinnt. Wenn das deutsche Springerteam den Gold-Shootingstar Andreas Wellinger umarmt. Ob in Korea hautnah dabei oder zu Hause: Momente wie diese gehen unter die Haut.

Auf dem Weg zu Gold hat jeder sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus. Doch eines haben all diese großen Namen gemein-sam: Bevor sie auf dem Gipfel des Olymps ihrer Sportart angekommen sind, sind sie alle Sieger im Scheitern geworden. Vielleicht die wichtigste Botschaft, die der Sport uns schenkt: nie den Glauben an uns selbst zu verlieren und daran, dass wir unsere Träume wahrmachen können. Und immer, wenn wir ein großes Lebens-ziel erreicht haben, nicht auf die vergessen, die uns auf dem Weg zum Erfolg begleitet haben.

Mögen diese Spiele noch viele olympische Freudenfeuer fürs Herz in uns entzünden in den Momenten, in denen Gesichter die wahre Geschichte des Sports erzählen und nur das Wesentliche zählt.

Felix Gottwald (42): Der frühere nordische Kombinierer ist mit insgesamt 18 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften Österreichs erfolgreichster Wintersportler aller Zeiten.

Aufgerufen am 18.06.2018 um 09:32 auf https://www.sn.at/kolumne/blog/olympische-freudenfeuer-bleiben-unausloeschlich-in-erinnerung-24234466

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