Ronaldo ist Portugal, und der Sepp ist wieder da

Alles verwaltet, wie geplant - also treffen wir Sepp Blatter, Oliver Polzer und Ronaldo trifft auch.

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Matchplan 21/06 Bernhard Flieher


Nach der vierten Minute traf Portugal. Dieses Portugal ist vorn, dort wo es zu treffen gilt, Ronaldo. Also traf konsequenterweise auch Ronaldo - zum vierten Mal bei dieser WM, zum 85. Mal im Leiberl der Nationalmannschaft. Damit überholte er Ferenc Puskas, der für Ungarn 84 Mal getroffen hatte. Übrigens spielte Puskas von 1958 bis 1966 bei Real Madrid. Mit Real gewann Puskas unter anderem den Europapokal der Landesmeister. Für die Jüngeren: Das ist der Vorgängerwettbewerb der Champions League, die Ronaldo mit Real jetzt schon vier Mal gewonnen hat (und einmal auch mit Manchester United). Das alles sind Geschichten, die hier bei der WM zwar völlig irrelevant sind, aber heute ist Zeit für so etwas. Es lief nämlich alles wie vermutet. Alles wurde verwaltet wie geplant.

Darum war das Spiel der Portugiesen gegen Marokko nach vier Minuten zu Ende. Sie hatten ihre Angriffskraft ja schon gegen Spanien verschwendet. Also begannen sie wie vor zwei Jahren bei der EURO ein festes Bollwerk zu bilden gegen technisch flotte, aber halt nicht souveräne Marokkaner, die nun draußen sind aus der WM.
Immerhin 53 Minuten und etwa 500 Pässe (am Ende waren's über 600) mit einer Genauigkeit von 90 Prozent brauchten die Spanier, bis sie den Ball ins Tor der Iraner tragen konnten. Spanien tat, was es immer tut. Und der Iran tat, was alle Unterlegenen tun, wenn sie auf Spanien treffen: Hinten stehen mit einer Wand aus sechs Spielern (würden die Breite des Spielfeldes sieben oder acht erlauben, es stünden sieben oder acht in letzter Reihe). So weit, so klar. Nur war der Iran physisch und auch im Hirn so gut ein- und aufgestellt, dass nach der spanischen Führung auch ein paar Angriffe liefen, aber ins Leere.

Ach ja, lieblos, aber irgendwie logisch, glanzlos, aber mit Luis Suarez an der richtigen Stelle im Sturm, brav geordnet, aber langweilig, siegte Uruguay zwischen Portugals Abwehrkraft und Spaniens Anrennerei gegen Saudi Arabien 1:0.
Auf Grund der also nichts als logischen Ergebnisse der Ereignisse dieses Tages widmen wir uns noch zwei Nebenschauplätzen.

Er ist wieder da, der Sepp

Zunächst ein herrliches Zitat, das keinerlei Kommentierung bedarf. Während Fifa-Boss Gianni Infantino beim Spiel Spaniens gegen den Iran zuschaute, tickerte nämlich eine Meldung der Austria Presse Agentur daher. "Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich bei seinem Besuch der Fußball-WM in Russland als Chef des Weltverbands bezeichnet. "Ich bin noch immer Präsident, aber eben suspendiert", sagte Blatter am Mittwoch im russischen Staatssender RT. Der Schweizer ist für insgesamt sechs Jahre noch bis 2021 von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen (…) Blatter folgt nach eigenen Angaben einer Einladung von Kremlchef Wladimir Putin zum Turnier in Russland." Noch Fragen über die Fifa?

ORF bloß in Papierform

Zugegeben: ORF-Bashing ist eine Banalität, die nur durch die Berichterstattung an Banalität übertroffen wird. Aber manchmal sitzt man halt dann doch irgendwo ohne Stream, ohne ZDF, ohne SRF. Sicher: So etwas dürfte einem nicht passieren. Da ist die Vorbereitung schiefgelaufen, aber das passiert auch den besten. Und dann muss man halt die Steinzeit aus Klischees und Halblustigkeit ertragen. Und versprochen, wenn sich nichts Dramatisches tut, dann werden Polzer, Pariasek, Koller und Janeschitz nicht weiter belästigt (an Mählich und Prohaska hat man sich ja inzwischen irgendwie gewöhnen könne). Aber das hier muss jetzt doch sein: Es ist noch keine halbe Stunde gespielt bei Deutschland - Mexiko am vergangenen Sonntag, da erzählt die ORF-Euphoriemaschine Oliver Polzer bereits davon, dass es in diesem Spiel ja deshalb quasi schon jetzt um alles geht, weil dem Zweiten dieser Gruppe aus Deutschland, Mexiko, Schweden und Südkorea Brasilien als Gegner im Achtelfinale "droht". Das mag schon sein und ist sogar recht wahrscheinlich. Aber diese Ansage ist zu dem Zeitpunkt, als sie getätigt wird, eben doch nichts als Geschwurbel und Geplappere, die sich rein auf die Papierform verlässt. Sich von dieser Papierform, von vorgefertigten Taktikannahmen, von ewigen Klischees zu befreien, gelingt offenbar nicht. Das gilt auch für die Bewertung des mexikanischen Spiels. Da konnte sich Polzer während des ganzen Spiels nicht von seiner Überraschung hinsichtlich der mexikanischen Spielanlage befreien. Wer weiß, was Mexiko kann, hätte wissen können, dass sie gegen die Deutschen so spielen können (oder gar müssen). Gut, man muss von einem gemeinen Fußballbeobachter nicht erwarten, dass er auch die Mannschaften der Concaf-Gruppe im Überblick hat. Dort spielen nur Größen wie Trinidad oder Panama oder Honduras.. Und freilich ist dem durchschnittlichen Zuschauer hier zu Lande der deutsche Fußball näher. Das liegt aber vor allem daran, dass der ORF und auch die heimischen Printmedien in ihrer ohnehin wenig hintergründigen, dafür aber umso massiveren, vereinfachenden ergebnisorientierten Berichterstattung andere Ligen außer Acht lassen. In welch sträflichem Ausmaß das passiert, zeigt sich vor allem bei jeder WM von Neuem. Immerhin sagte Polzer aber dann auch den schönen, wenn auch geografisch falschen Satz: "Bayern München, der Zirkus nördlich von Salzburg."

Aufgerufen am 16.12.2018 um 12:16 auf https://www.sn.at/kolumne/blog/ronaldo-ist-portugal-und-der-sepp-ist-wieder-da-29450395

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