Brüsseler Spitzen Blog der SN-Korrespondenten in Brüssel

Stafette des Christkinds

Die niederösterreichisch ÖVP stellte im Europa-Parlament einen Weihnachtsbaum auf - und ein Bischof predigte.

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Brüsseler Spitzen Martin Stricker

Eine mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnte währende Tradition will es, dass die niederösterreichische ÖVP einen "in der Heimat gewachsenen" Nadelbaum nach Brüssel bringt und ihn dort festlich geschmückt als Weihnachtsbaum dem Europäischen Parlament übergibt - wo er in der zentralen Halle aufgestellt wird, durch die alle Wege führen.

Am Dienstag am frühen Abend war es wieder soweit. Praktischerweise konnte man diesmal sozusagen in der Familie bleiben. Othmar Karas, lang gedienter EU-Parlamentarier, nahm als einer der Vize-Präsidenten des Parlamentes das 4,5 Meter hohe Präsent von seinem Fraktionskollegen Alexander Bernhuber, einem in St. Pölten geborenen Landwirt, entgegen.

Allerhand ÖVP-Prominenz hatte sich dazugesellt, darunter Ex-Minister Andrä Rupprechter und Ex-Vizekanzler Josef Pröll, der Salzburger Ex-Landeshauptmann Franz Schausberger, der amtierende EU-Kommissar Johannes Hahn und Niederösterreichs Landeshauptfraustellvertreter Stefan Pernkopf, nicht zu reden von der neben Karas noch fünfköpfigen ÖVP-Delegation im EU-Parlament unter Leitung von Karoline Edtstadler.

Es wurden allerhand Reden gehalten, man dankte einander und gratulierte, zumal es auch einige Geburtstagskinder gab. Der Baum sei die "Stafette des Christkindes", ein "Pol der Ruhe und Besinnung" im "Herz der europäischen Demokratie", hieß es, und eine mehr als 30-köpfige mitgereiste Schülerkapelle sorgte für die musikalische Umrahmung.

Die Niederösterreicher hatten auch ihren Bischof mit, den aus seiner Diözese Gurk wenig rühmlich nach Sankt Pölten versetzten Alois Schwarz, der in einer Predigt mit ernster Miene mahnte, dass die Mehrheit der EU-Bürger Christen sei, die Sterne in der EU-Flagge mit dem Christentum zu tun hätte, alle Anwesenden zu einem gemeinsamen Vater Unser rief und den Baum schließlich mit Weihwasser aus Maria Zell segnete.

Zufällig passierendes EU-Abgeordnetenvolk reagierte amüsiert, erfreut und erstaunt, aber nicht wegen der Predigt oder der Reden, die, weil auf deutsch, eh kaum jemandem anders verstehen konnte, was wahrscheinlich in den Hallen eines nun doch eindeutig säkularen Parlaments auch besser so war, sondern weil ein großer glitzernde Weihnachtsbaum einfach ein wunderschönes Geschenk ist.

Aufgerufen am 10.12.2019 um 03:56 auf https://www.sn.at/kolumne/bruesseler-spitzen/video-stafette-des-christkinds-80197078

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