Die Vermessung der Bergwelt

Das Mosermandl (2680 m) ist der sechsthöchste Berg im Pongau und der 24-höchste im gesamten Bundesland. Unermesslich einsam ist der Anstieg von der Nordseite.

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Fit in die Natur Christian Heugl
Am Weg zum Mosermandl. Nach dem steilen Beginn über die Abendweide wird das Gelände bald sanfter.Christian Heugl SN/christian heugl
Am Weg zum Mosermandl. Nach dem steilen Beginn über die Abendweide wird das Gelände bald sanfter.Christian Heugl

Der Geograf, Bergsteiger und Gletschervermesser Gabriel Seitlinger hat jede der 119 Salzburger Gemeinden besucht, dort den höchsten Punkt bestiegen und daraus das Buch "Salzburg Summits" zusammengestellt. Nun wissen die Leser also, dass die höchste Erhebung in Anif der Goiser Hügel ist (540 m, Rang 114), oder in der Gemeinde Flachau das Mosermandl.

Moment! Das Mosermandl ist kein Lungauer Berg? Das ist die eine Überraschung, die andere ist der vorgeschlagene Anstieg vom Nordportal der Tauernautobahn aus, denn die von Seitlinger beschriebenen Routen verlaufen ausschließlich im jeweiligen Gemeindegebiet. Die Beschreibungen sind kurz gehalten, aber die erwähnten Eckdaten sprechen für sich. Beim Mosermandl bedeutet das einen frühen Start, denn acht bis neun Stunden reine Gehzeit sind tagesfüllend. Der ungewöhnliche Ausgangspunkt für die einsame Tour ist leicht zu finden, er liegt unter der gewaltigen A10-Nordportal-Brücke. Neben der Bushaltestelle Gasthofalm und der Fahrverbotstafel sind noch letzte der dann sehr seltenen Wegschilder angebracht. Die Route auf das Mosermandl (fünf Std.) folgt der Zufahrt zum Schotterwerk und dann dem Schild "Abendweideweg 711" bis zum Straßenende. Über das Dach des Wasserbehälters geht es zu einem hier beginnenden, steilen Steig, der nach einer halben Stunde auf einen wasserführenden Graben trifft und diesen, leicht übersehbar etwas talwärts versetzt, überquert. Nun ist der blau markierte Steig wieder gut erkennbar. Nach dem Lärchenurwald folgt eine Steilstufe und dann rechts abzweigend ein traumhaftes Wiesengelände rund um den winzigen See. Der Wiesenpfad führt durch das Frauenkar auf den Hochbirgsattel (2250 m) und trifft dann etwas unterhalb links abzweigend auf den rot markierten Weg 731.

Nach weiteren zwei Stunden und einer kurzen, drahtseilgesicherten Kaminkletterei ist der Mosermandlgipfel erreicht. Durch den Kamin geht es wieder retour, dann aber nach links (W) und bei einer Weggabelung mit dem Weg 730 nach rechts (N). Zuerst über Kalk und letzte Schneefelder, dann über blühende Bergwiesen führt der einsame, mäßig gut markierte Weg zur verfallenen Oberen Gasthofalm und dann auf der vor Kurzem vorbildlich sanierten Route retour zum Schotterwerk bzw. zum Startpunkt.

Am Weg zum Mosermandl. Nach dem steilen Beginn über die Abendweide wird das Gelände bald sanfter.Christian Heugl SN/sn
Am Weg zum Mosermandl. Nach dem steilen Beginn über die Abendweide wird das Gelände bald sanfter.Christian Heugl

Daten & Fakten: Das Mosermandl

So kommen Sie hin: A10, Abfahrt Flachauwinkl, dann 7 km taleinwärts bis zum Fahrverbotsschild nach der Nordportal-Autobahnbrücke.

Bus & Bahn:
ab Sbg.-Hbf mit Bahn oder Bus bis Altenmarkt-Kesselgrub, mit Bus 523 bis Flachauwinkl-Gasthofalm.
Ges. Dauer: 8-9 Std., 1550 Hm, 18 km.

Karte: f&b 202, ÖK 3223.

Charakter: nordseitige, sehr anspruchsvolle Rundtour. Nur für erfahrene, orientierungs- und konditionsstarke Alpinisten empfehlenswert.

Buchtipp: Seitlinger, Gabriel. "Salzburg Summits", Verlag Anton Pustet, 2019 (368 S.).

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