Für den Papst kann man sein

Von schicker Menschenverachtung und altmodischer Nächstenliebe.

Autorenbild

Regisseur Wim Wenders hat einen Film über den Papst gedreht. Um genau zu sein: Er hat einen Film mit dem Papst gedreht. Stundenlang hat er mit dem Papst geredet. Da könnte man dem Papst viele kritische Fragen stellen. Der Mann steht einer Organisation vor, in der Machtmissbrauch durchaus eine gewisse Tradition hat. Aber was hat er, der eine Papst, den irgendwie eh alle mögen, jetzt damit zu tun? "Ich hätte auch kritisch sein können", sagt Wim Wenders und dann sagt er: "Ich mache aber Filme, weil ich etwas mag, das möchte ich rüberbringen." Wenders also ist dafür. Das war er auch schon damals bei "Buena Vista Social Club". Da hätte er auch Kuba kritisieren können, aber er entschied sich, die Musik zu lieben und zu feiern. Und jetzt ist er für den Papst. Das ist so ungewöhnlich wie wunderbar. Einer mag etwas, steht dazu und zeigt es auch.

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