Frauen müssen sich jetzt auch in Österreich Gehör verschaffen

Corona hat Frauen viel gekostet: Geld und Energie. Jetzt droht die Fortsetzung. Höchste Zeit, um gegenzusteuern.

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Frauensache Karin Zauner

Fortsetzung folgt. Frauen haben uns im Frühling und Frühsommer gut durch die Krise gebracht. Im Handel, in der Pflege, beim Homeschooling und bei der Kinderbetreuung. Der Preis war hoch. Sie hatten weniger Zeit für bezahlte Arbeit, die Mehrfachbelastungen haben sie teilweise an ihre Grenzen gebracht, sie schlitterten überproportional häufig in die Arbeitslosigkeit. Langfristig drückt das auf die soziale Absicherung und die Pensionen.

Die ersten Schultage im neuen Schuljahr zeigen, dass der Druck auf die Frauen wieder größer wird. Eltern wie Lehrer sind überfordert, jeden Tag gibt es neue und widersprüchliche Informationen. In Salzburg etwa gibt es derzeit für Schulkinder zu wenig Plätze in Bussen - mit solchen Situationen wird Erwerbsarbeit erschwert bis verunmöglicht. Man darf raten, wer wieder zurücksteckt beziehungsweise aus finanziellen Gründen zurückstecken muss. Das ist nur eine Rechenaufgabe.

Die bisherige Coronakrisenpolitik hatte die Frauen nicht im Visier, und auch jetzt ist nichts Essenzielles dazu zu vernehmen. Das alles wäre ja noch bewältigbar, wäre die Ausgangslage nicht schon schlecht. Bereits vor der Covid-19-Zeit gab es eine Schieflage bei der unbezahlten Sorge- und Versorgungsarbeit. Und wie der jüngste Einkommensvergleich der Statistik Austria zeigt, lag der Mittelwert der Bruttoverdienste 2018 bei Frauen um 17 Prozent unter jenem der Männer. Von Hilfskräften bis zu Akademikern gibt es keine einzige Berufsgruppe, in der Frauen gleich viel verdienen wie Männer. In absoluten Zahlen reden wir von einem mittleren Bruttoverdienst für Arbeitnehmerinnen von 13,43 Euro pro Stunde. Männliche Führungskräfte gingen mit 32,65 Euro nach Hause, weibliche mit nur 25,05 Euro. Insgesamt verdienten Beschäftigte in der Privatwirtschaft 2018 im Mittel 15,09 Euro.

Bildung zahlt sich in jedem Fall auch beim Verdienst aus. Allerdings vergrößert sich laut OECD, der Organisation der Industrieländer, die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen mit zunehmendem Bildungsgrad. Die Bildungsforschung sieht als Hauptgrund die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Job. Was also schon vor der Pandemie in Österreich ein Problem war, hat sich durch die Covid-Maßnahmen nochmals verschärft und wird sich im Herbst nicht bessern. Daher muss die Politik endlich konkrete Maßnahmen für Frauen setzen. Dazu gehören substanzielle Investitionen in Bildung, Gesundheitswesen, Kinderbetreuung und Arbeitsmarktservice.

Wird jetzt nicht schnell und strukturell gegengesteuert, werden die Frauen als große Verliererinnen aus dieser Krise hervorgehen. Von selbst und ohne gehörigen Druck von Frauen wird sich freilich nichts bewegen.

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