Gewalt an Frauen wird immer stärker Thema - Und das wirkt

Die Kriminalstatistik widmet Frauen als Opfer viel Aufmerksamkeit. Das ist ein wesentlicher Teil der Prävention.

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Frauensache Karin Zauner

Die soeben veröffentlichte Kriminalstatistik schaut für Frauen in Österreich nicht gut aus. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend, der im Vorjahr erstmals seit 20 Jahren weniger als 500.000 Anzeigen aufweist, sind Frauen vermehrt Opfer von Verbrechen geworden. So sank zwar die Zahl der Mordversuche und Morde insgesamt um 6,4 Prozent, doch 41 Frauen und 32 Männer wurden ermordet, im Jahr 2017 waren es noch 36 Frauen gewesen. Noch stärker stieg die Zahl der Anzeigen gegen die sexuelle Integrität und die Selbstbestimmung. 2018 wurden 936 Vergewaltigungen angezeigt, das ist ein Plus von 14,6 Prozent. 373 der 677 Tatverdächtigen stammen aus Österreich, 51 aus Afghanistan, 41 aus der Türkei, 28 aus Deutschland, 22 aus Rumänien und 17 aus Serbien.

Eine bemerkenswerte Entwicklung gibt es bei den statistisch erfassten Opfern. Denn unter ihnen sind im Vergleich zu früheren Jahren vermehrt Frauen aus Afghanistan und der Türkei. Frauen aus diesen Ländern trauten sich früher vielfach nicht, zur Polizei zu gehen, wenn sie Opfer von Gewalttaten wurden. Dass sich dies nun ändert, zeigt, dass Integration, das Thematisieren von Gewalt an Frauen und Opferschutz wirken.

Gewalt an Frauen ist aus der öffentlichen Debatte nicht mehr wegzudenken. Die vielen Morde an Frauen haben das Innenministerium dazu bewogen, eine eigene Screening-Gruppe einzurichten. Diese soll Muster von Tätern und Taten ableiten und somit bei der Prävention helfen. Die Ergebnisse werden noch im Mai veröffentlicht.

Wer Gewalt an Frauen eindämmen will, muss an mehreren Stellschrauben drehen. Zu allererst müssen die Fakten auf den Tisch, dazu dient eine gute Kriminalstatistik. Dann müssen Hintergründe richtig analysiert werden. Die meisten Gewalttaten an Frauen passieren im häuslichen und Freundes-Umfeld (67,9 Prozent). Zum Großteil sind Inländer Täter, aber auch die Gewalt von Ausländern an Frauen ist ein großes Problem. Beides muss emotionslos untersucht werden. Politik und Gesellschaft müssen täglich klar machen, dass Gewalt an Frauen ein Verbrechen mit schmerzhaften Konsequenzen für Täter sind und kein geduldetes Tun oder gar ein Recht von Partnern. Frauen, egal ob Österreicherinnen oder Zugewanderte, müssen gestärkt und im Notfall gutte Hilfe erfahren. Das beste Mittel zur Stärkung von Frauen ist übrigens die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen dank guter Jobs. Auch Integration ist für die Vermeidung von Verbrechen an Frauen unabdingbar. Männer aus anderen Kulturen lernen hier, dass Frauen gleich viel wert sind und gleiche Rechte haben wie Männer und so auch zu behandeln sind.

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