Kinder, Karriere und Missverständnisse

Sind Kinderlose karrieregeil, und behindern Kinder Karrieren? Das gegenseitige Ausspielen ist eine Zumutung.

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Frauensache Karin Zauner

Es gibt kaum ein persönlicheres Thema als die Frage, ob jemand Kinder hat, haben will oder nicht. Das ist eine individuelle Angelegenheit, die ausschließlich Frauen und ihre Partner etwas angeht. Darum hat die Aussage von Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger in einem "Krone"-Interview "ich will eigentlich nicht regiert werden von lauter kinderlosen Karrieristen, weil das die einzige Möglichkeit ist. Sondern von Menschen aus der Mitte, die eine Ahnung haben, was es heißt, (...) Verantwortung für Kinder zu tragen", für viele Diskussionen gesorgt.

Lässt man die Vorwahl-Emotionalität weg und analysiert Meinl-Reisingers Sager nüchtern, ist festzustellen. Für Frauen mit Kindern ist es ungleich schwieriger Karriere zu machen als für Männer mit Kindern. Das wiederum hat etwas mit Frauen zu tun. Denn, kümmern sich Frauen hauptsächlich um die Kinder, haben es Männer im Beruf einfacher, was Frauen dann wieder in ihrem beruflichen Fortkommen behindert. Klingt simpel, ist simpel, hat über Jahrzehnte so funktioniert.

Heute wollen Frauen Kinder und Karriere vereinen und tun dies auch vermehrt. Die Rahmenbedingungen dafür werden besser, doch noch immer fehlen gute Kinderbetreuungseinrichtungen und Arbeitgeber, die Arbeitszeiten, den Anforderungen des Betriebs und denen ihrer Mitarbeiter anpassen. Aber auch diese Unternehmer und Institutionen werden mehr. Siehe Politik: Eine Ministerin, die ein Baby bekommt und nach wenigen Wochen wieder im Amt ist (Elisabeth Köstinger) scheint selbstverständlich, eine Parteichefin mit drei kleinen Kindern (Meinl-Reisinger) ist kein großes Thema mehr. Alles eine Frage der Organisation und des Wollens - auf beiden Seiten.

Dennoch finden sich in den Führungsetagen von Politik und Wirtschaft überwiegend Männer. Weil alte Hierarchien und Strukturen schwer aufzubrechen sind und eben auch Kinderbetreuung noch immer zu einem Großteil Frauensache ist.

Also, keine Kinder! Das ist keine Lösung, höchstens Polemik oder Zuspitzung, um auf ein Thema aufmerksam zu machen. Denn die Gleichsetzung Kinderlose sind Karrieristen ist eine Zumutung und falsch. Allerdings stimmt es, dass in der Politik wie in Unternehmen zu viele Menschen das Sagen haben, die einander gleichen. Jene, die Gesetze für alle machen, sollten jung und alt, weiblich und männlich, mit Kindern und kinderlos, mit verschiedenen beruflichen, sozialen und religiösen Hintergründen ausgestattet sein. Schlicht, ein Abbild unserer Gesellschaft, der sie dienen sollten. Aber mit dem gegenseitigen Ausspielen etwa von Eltern und Kinderlosen erreicht man dies sicherlich nicht.

Aufgerufen am 25.08.2019 um 07:03 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/kinder-karriere-und-missverstaendnisse-74288323

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