Vergewaltigung als systematisch eingesetzte Waffe

Kriege und Konflikte haben für Frauen und Männer unterschiedliche Konsequenzen. Gute Politik stellt sich dem Thema.

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Frauensache Karin Zauner

Die ukrainische Anwältin Kateryna Busol berichtete der "New York Times" über Gruppenvergewaltigungen von russischen Soldaten vor den Kindern der Frauen und von sexueller Gewalt nach der Tötung von Familienmitgliedern. Die Vergewaltigung einer 33-jährigen Ukrainerin, deren vierjähriger Sohn währenddessen im Nebenzimmer schrie, wird nun ein erstes Verfahren zur Folge haben, um die Berichte von Gewalttaten an Frauen in der Ukraine zu dokumentieren. Der Vorwurf lautet, dass Vergewaltigungen eine systematisch eingesetzte Waffe der russischen Armee sind. Die Anschuldigungen häufen sich.

Auch im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 wurden Frauen als Teil der Kriegsführung systematisch vergewaltigt. Etwa 20.000 muslimische Frauen wurden Opfer einer strategischen Vergewaltigung. Konkrete Zahlen sind freilich bis heute nicht eruierbar, die Dunkelziffer wird als sehr hoch beschrieben. Übrigens wurde Vergewaltigung erst 2008 offiziell als Kriegsverbrechen gelistet.

Das Ziel von strategischer Vergewaltigung in Kriegen ist es, den Gegner zu traumatisieren und aus der Heimat zu vertreiben. Vor allem in patriarchalen Gesellschaften geht es oft auch um die Demütigung der Männer. Ihnen soll auf brutale Art und Weise vor Augen geführt werden, dass sie es nicht schaffen, ihre Frauen zu beschützen.

Vor diesem Hintergrund ist der Ruf nach einer feministischen Außenpolitik gerade jetzt, da das Leid der ukrainischen Frauen für alle sichtbar ist, dringend nötig. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um eine politische Sichtweise, die die geschlechtsbezogenen Unterschiede bei den Auswirkungen von Krieg und anderen Konflikten wahrnimmt und dann berücksichtigt, dass die Konsequenzen eines Krieges für die Geschlechter unterschiedlich sind.
Frauen sind vom Krieg anders betroffen als Männer. Während Männer oft in den Kampf gezwungen und dabei getötet oder verletzt werden, werden Frauen häufig Opfer von willkürlichen Tötungen und Vergewaltigungen. Letztere finden nicht nur durch die Gegner im Krieg statt, sondern müssen Frauen auch in Fluchtländern oder von eigenen Leuten im eigenen Land erleiden.

Nur wer sich geschlechtsspezifischer Gewalt in Kriegen stellt und sie nicht ignoriert, kann Frauen vor sexualisierter Gewalt schützen. Dazu gehört, dass man Taten dokumentiert und Täter zur Rechenschaft zieht. Es geht nicht darum, das Leid der Männer mit dem der Frauen zu vergleichen. Doch bei den zusätzlichen Milliarden, die auch Österreich ins Militär investieren will, müssen Geschlechterfragen mitgedacht werden, um Leid zu vermeiden.

Aufgerufen am 20.05.2022 um 06:37 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/vergewaltigung-als-systematisch-eingesetzte-waffe-119586598

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