Alles Walzer, so lautet auch in der EU-Hauptstadt die Parole

Sie organisiert den "Wiener Ball" in Brüssel. Die gebürtige Tirolerin Karin Lukas-Eder gibt Einblicke in einen EU-Fixtermin.

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Frühstück in Brüssel Monika Graf
Karin Lukas-Eder ist ein Organisationstalent. SN/monika graf
Karin Lukas-Eder ist ein Organisationstalent.

Jedes Jahr Anfang Februar werden in Brüssel eine Nacht lang alle Klischees bedient: Walzer, Kaiserin Sisi, Ballettmäderl, Schnitzel, Apfelstrudel, ein extra eingeflogenes Streichorchester - schließlich soll sich der "Wiener Ball", eine Art Mini-Opernball in der EU-Hauptstadt, wie zu Hause anfühlen. Die Österreicher in Brüssel lieben ihn, auch einige austrophile Europäer und viele belgische Adelige, die sich die Gelegenheit zum Feiern wie zu Kaisers Zeiten nicht entgehen lassen. Das "Concert Noble", ein Ballsaal aus 1873 mit Stuck und Schnörkel, der sich hinter einer unfassbar hässlichen Fassade aus den 1980er-Jahren mitten im EU-Viertel verbirgt, ist traditionell ausgebucht und ex trem schweißtreibend.

"Natürlich wird jedes Mal überlegt, ob ein größerer Saal besser wäre", sagt Karin Lukas-Eder, die die Ballnacht seit acht Jahren organisiert. Aber dann will doch niemand die heimelige Atmosphäre riskieren, also bleibt alles, wie es ist. Warum sich die Tirolerin aus dem mittlerweile weltberühmten "Bergdoktor"-Dorf Going das zusätzlich zu ihrem fordernden Job als Gründerin und Leiterin des Brüssel-Büros der Bayerischen Forschungsallianz und Mutter eines kleinen Sohns antut? "Weil ich gern organisiere", sagt sie beim Frühstück mit den SN, das aus Effizienzgründen in ihrem Büro stattfindet, von der eigenen Geburtstagsparty bis zu "großen Sachen", wie einer Konferenz mit Universitäten in zwei Wochen mit 200 Teilnehmern.

Ursprünglich hat sie ihr Talent im belgischen Verein der Auslandsösterreicher eingesetzt. Die gelernte Politikwissenschafterin und ehemalige Redenschreiberin von EU-Kommissar Franz Fischler hat die Kostümfeste für die Kinder organisiert. Bis eines Tages die Frage kam, ob sie nicht der Gründerin und Grande Dame des "Wiener Balls" Barbara Francois nach mehr als 30 Jahren zur Hand gehen könnte. Mittlerweile diene die familieneigene Garage als Zwischenlager für die Damenspenden (die die Stadt Wien sponsert) und viel Wein (natürlich österreichischen), erzählt Lukas-Eder, und das Wohnzimmer wird Treffpunkt für das kleine - ausschließlich weibliche - Organisationskomitee. "Wir machen alles selbst": vom Verschicken der Bittbriefe an Sponsoren bis zum Aufstellen und Dekorieren der Tische am Balltag - bis dann alle Damen zum Friseur aufbrechen müssen.

Das Interesse an der wienerischsten Nacht in Brüssel sei ungebrochen, sagt Lukas-Eder. Die Jüngeren seien die Ersten, die Karten kauften. Auch die Nachfrage nach Auffrischungskursen für Walzer und Quadrille ist lebendig. Angeboten wird der Kurs von einem nebenberuflichen Tanzlehrerpaar, das seit zehn Jahren die Eröffnungspolonaise einstudiert. Der Wunsch nach Teilnahme ist so groß, dass mittlerweile auf 22 Paare - die Mehrheit blaublütige Belgier - aufgestockt wurde, darunter dieses Jahr zwei Baronessen und ein Prinz.

Aufgerufen am 20.06.2018 um 09:37 auf https://www.sn.at/kolumne/fruehstueck-in-bruessel/alles-walzer-so-lautet-auch-in-der-eu-hauptstadt-die-parole-333304

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