Slow Food - Slow Eating

Nehmen wir uns doch mehr Zeit für unsere Kost!

Gerichte mit Geschichte
 SN/roland essl

Der Begriff Slow Food steht für genussvolles, bewusstes und regionales Essen und ist populärer denn je. Ich beobachte aber immer häufiger, dass unsere Gesellschaft sich weniger Zeit für ihre eigene Ernährung nimmt. Der Trend zu "Food to go", welches in Kebab-Ständen, Coffee-Shops, Food Trucks usw. angeboten wird, etabliert sich zunehmend. Ist dies eines der Konzepte der Zukunft? Verlernen wir, uns Zeit für unsere Ernährung zu nehmen? Franzosen und Italiener nehmen sich viel Zeit für gemeinsame Mahlzeiten, das gehört zu ihrem Lifestyle und sie können unserer Esskultur gar nichts abgewinnen. In meinem Wirtshaus habe ich immer wieder beobachtet, dass, wenn Menschen zusammenkommen und ein Smartphone läutet, es wichtiger ist, das Gespräch anzunehmen, als dem Gesprächspartner seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, der sich extra die Zeit für das Treffen genommen hat. Wenn in Italien die Mitglieder der Mafia ihren Paten einen Besuch abstatten, müssen sie an der Garderobe ihre Schusswaffen abgeben, sie fühlen sich dann bestimmt nackt.

Sind nicht die Handys unsere modernen Waffen, fühlen wir uns nicht auch nackt, wenn unsere Mobiltelefone nicht in Reichweite sind? Ich denke, auch wir sollten unsere "Waffen an der Garderobe" abgeben, auch im Familienkreis. Wenn wir uns mehr Zeit für unser Essen nehmen, schätzen wir auch unsere Mahlzeiten, unsere Kost mehr. Unser Mahl wird dadurch kostbar! Wir kaufen dann viel bewusster ein und suchen auf den Märkten die besonderen Produkte der Regionen. Das fördert unsere kleinen Produzenten, welche unsere landestypischen Spezialitäten herstellen, und fordert sie, auch beste Qualität anzubieten.

Imam Bayildi
(4 Portionen)
An dieser Stelle einmal ein türkisches Gericht. Auf Deutsch übersetzt heißt dieses Festmahl: "Der Priester fiel in Ohnmacht!". Es ist als kleine Vorspeise oder für den kleinen Hunger gedacht. Der Schafkäse karamellisiert beim Überbacken und verschmilzt mit der Melanzani zu einer köstlichen Einheit!

Zutaten: ½ Stk Melanzani, ca. 150 g Schafkäse, Olivenöl, Salz, Pfeffer.

Zubereitung: Melanzani in 4 Scheiben (ca. 1 cm) schneiden. In einer Pfanne mit Olivenöl beidseitig braten (Vorsicht: Melanzani saugen das Olivenöl auf wie ein trockener Schwamm und geben das überschüssige Öl später am Teller, beim Essen wieder ab, also nicht täuschen lassen!). Die gebratenen Melanzanischeiben leicht salzen und pfeffern (der Schafkäse gibt auch noch Würze). Den Schafkäse in Scheiben (ca. ½ cm) schneiden. Mit einem Rundaustecher den Schafkäse in Melanzanigröße ausstechen und die Melanzani damit belegen. Die so vorbereitenden Melanzani auf ein ungefettetes Backblech legen. Das Backrohr auf Oberhitze schalten (höchste Stufe) und die "Imam Bayildi" auf der oberen Schiene überbacken. Sie sind fertig, wenn der Schafkäse schön braun ist, das dauert 6 bis 10 Minuten.

Roland Essl

Aufgerufen am 17.10.2019 um 10:57 auf https://www.sn.at/kolumne/gerichte-mit-geschichte/slow-food-slow-eating-70363027

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