Warum Schmetterlinge als "Milchverhexer" galten

Über Hausgeister und Dämonen - und warum in der Einfachheit der Küche oft der wahre Genuss liegt.

Gerichte mit Geschichte
Pinzgauer Topfennudeln – Einfachheit schafft Genuss. SN/roland essl
Pinzgauer Topfennudeln – Einfachheit schafft Genuss.

Die Menschen im Mittelalter glaubten an übernatürliche Kräfte. Diese sollten schützend und hilfreich sein, konnten aber auch schädigend, also ambivalent wirken. Besonders ambivalent empfunden wurden die flatternden Vögel. Das Rotkehlchen war ebenso wie die Schwalbe Schutzgeist für das Vieh und hatte zugleich auch die Macht, zu schädigen. Auch die Kirche teilte und nutzte diese Auffassung. Martin Luther erwähnte in seinen Tischreden: Wenn man diese Vögel erzürnt, so werden sie ganz unsinnig und stechen die "Kühe". Ein solches flatterndes Zauberwesen war auch der Schmetterling! Wie konnte es sonst sein, dass eine gefräßige Raupe, die zuvor Pflanzen vernichtete, sich verpuppt und zu einem geflügelten und unschuldig aussehenden Wesen mutiert. So war der Schmetterling ein bösartiges und für die Bauern schädigendes Hexenwesen. Man glaubte, Schmetterlinge würden verderbend auf die Milch wirken, und nannte sie deshalb auch Molkendiebe oder Molkenstehler. Sehen wir uns das Wort "Schmetterling" genauer an. Im Wort Schmetterling findet sich das Wort "Schmett", hergeleitet vom slawischen Wort für Sauerrahm: der "Schmetten". Auch in anderen Sprachen Europas findet sich in der Bezeichnung des Falters der Bezug auf die Milch. So heißt der Schmetterling im Englischen "butterfly", im Friesischen "Buttervogel", westfälisch "Schmandlecker, holländisch "Boterflieg" und in Ostpreußen sogar "Molkentewer = Milchverhexer oder Schmandhexe". Um die Milch vor dem Hexenwesen zu schützen, wurde der Milcheimer abgedeckt und siehe da - die Milch blieb länger frisch.

Pinzgauer Topfennudeln
(4 Portionen)
Zutaten: 250 g Topfen, 2 Eier,
4 g Salz, Schale einer halben Zitrone, 75 g griffiges Mehl.
Zubereitung: Alle Zutaten zu einem Teig verarbeiten. Kleine Laibchen formen und langsam in Butterschmalz goldgelb braten. Mit Preiselbeeren servieren.
Oft liegt in der Einfachheit der besondere Genuss!

Fragen und Anregungen
alpenkulinarik@rolandessl.at

Roland Essl

Aufgerufen am 20.05.2019 um 08:12 auf https://www.sn.at/kolumne/gerichte-mit-geschichte/warum-schmetterlinge-als-milchverhexer-galten-70175752

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