Mit der Lokalbahn wurde auch der Torf zum großen Geschäft

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Geschäfte und Geschichte Thomas Hödlmoser
Torfstecher in Bürmoos um 1920. Das Heizmaterial wurde mit der Lokalbahn nach Salzburg gebracht. SN/torf-glas-ziegel-museum
Torfstecher in Bürmoos um 1920. Das Heizmaterial wurde mit der Lokalbahn nach Salzburg gebracht.

1896 war für den Bürmooser Glasfabrikanten Ignaz Glaser ein gutes Jahr. In seinem Tagebuch findet sich am 1. April die Notiz: "Ich erhalte also eine Bahn, ohne hiezu einen Kreuzer beizutragen, und ohne jede wie immer geartete anderweitige Verpflichtung übernommen zu haben."

Vor 125 Jahren wurde die Nordlinie der Lokalbahn von Salzburg über Oberndorf nach Lamprechtshausen eröffnet. Für die Wirtschaft im nördlichen Flachgau und insbesondere die Fabrikanlagen in Bürmoos war das ein Durchbruch. Denn der Warentransport war seit dem Ende der Salzachschifffahrt nur auf schlechten Straßen möglich gewesen.

Mit der Bahn kam der wirtschaftliche Aufschwung für die Region. Vor allem für die Glasproduktion in Bürmoos und den Torftransport war die vergleichsweise schnelle Lokalbahn wichtig. Der aus Böhmen stammende Ignaz Glaser hatte viel Grund im Moorgebiet gekauft, weil sich Torf für die Befeuerung seiner Glasöfen eignete. Der Industrielle, der im Jahr 1896 bereits rund 700 Arbeiter beschäftigte, ließ eine Ziegelei und landwirtschaftliche Betriebe errichten und verkaufte Torf auch als Brennmaterial.

Die Euphorie nach der Eröffnung der Bahnstrecke war groß. Manche sprachen schon von der künftigen "Weltbahn". Dafür hätte man die Strecke allerdings ins Innviertel verlängern und an die Linie Wels-Passau anbinden müssen, sagt Historiker Franz Schausberger. "Das kam aber nie zustande, es war unrealistisch."

Immerhin fuhren um die Jahrhundertwende am Tag vier Züge von Lamprechtshausen nach Salzburg und retour. "Die Fahrtzeit betrug rund eine Stunde und 20 Minuten bei einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h", sagt Kustodin Jutta Ramböck vom Torf-Glas-Ziegel-Museum in Bürmoos. Mehr als 37.000 Gütertonnen wurden pro Jahr auf der Nordlinie befördert. Für die meisten Einheimischen freilich war die Fahrt ein Luxus: Der Preis für eine Fahrkarte nach Salzburg und retour lag bei eineinhalb Tageslöhnen.


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