Honda denkt sogar an einen Formel-1-Ausstieg

McLaren will unbedingt von Honda loskommen. Die Japaner sollen Partner Toro Rossos werden. Doch davon sind beide wenig begeistert.

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Pole Position Gerhard Kuntschik

Ferrari gegen Mercedes, Vettel vs. Hamilton: die Monza-Schlagzeilen. Hinter den Kulissen ging es anderswo rund. In den Motor homes von McLaren, Renault, in Red Bulls Energy Station und dem Quartier des Weltverbandes FIA.

Wenn sich auch FIA-Präsident Jean Todt und der Sportchef des neuen F1-Eigners Liberty, Ross Brawn, in hektische Verhandlungen einbringen, geht es nicht bloß um Motorendeals für zwei Teams.

Es geht darum, mit Honda den vierten Hersteller in der Formel 1 zu halten. Auch wenn der nach drei chaotischen und erfolglosen Saisonen frustrierte einstige Traumpartner McLaren die Japaner kalt abservieren will. Was die als Vertragsbruch sehen.

Ein neuer Motorenpartner müsste eigentlich im Juni des Vorjahres (also heuer für 2018) der FIA gemeldet werden. Das passierte nicht. Doch das ist sekundär. In Monza entschied sich nichts, doch soll in den nächsten Tagen klar werden: Renault rüstet 2018 als dritten Rennstall (nach dem eigenen Werkteam und Kunden Red Bull Racing) auch McLaren aus. Und überlässt damit Toro Rosso, das Bullen-Juniorenteam, Honda.

Red Bulls Motorsportboss Helmut Marko mauert dazu: "Es gab in Monza keine Deadline, es gibt keine offiziellen Gespräche. Aber die Zeit drängt." Sein Chef Dietrich Mateschitz sagte erst vor wenigen Tagen den "Honda hieße, vom Regen in die Traufe zu kommen." Toro-Rosso-Chef Franz Tost meint: "Wir haben einen andauernden Vertrag mit Renault."

Doch Todt und Brawn pressen förmlich, um Honda in der Formel 1 zu halten. Für Red Bull gäbe es bei einem Wechsel der Mannschaft aus Faenza zu den Japanern zwei Vorteile: Man würde sehen, ob Honda doch konkurrenzfähig werden kann - und Hondas Millionen-Mitgift (bei McLaren kolportierte 90 Mill. Euro pro Saison) könnte man auch gebrauchen.

McLaren-CEO Zak Brown glaubt offenbar fix an den Renault-Deal - und dass er dadurch den frustrierten Topstar Fernando Alonso halten kann. Der Amerikaner: "Der sportliche Erfolg kommt vor dem finanziellen. Wir können es uns nicht leisten, nicht aufs Podium zu kommen." Will heißen: Mit einem Renault-Motor können wir das, was Red Bull kann, schon lang.

Bei Honda gab es Montag eine Videokonferenz zwischen Japan und England. Ohne Beschluss, aber mit Tendenz. Lässt uns McLaren fallen, steigen wir aus.

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