Ein Ex-Salzburger als Filmmotiv und nun als Späher

Begegnungen im Staples Center von Los Angeles: Warum der frühere SEC-Legionär Claude Noel jetzt viele Flugmeilen sammelt und was Kings-Topstar Anze Kopitar von Red-Bulls-Goalie Luka Gracnar hält.

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Powerplay Gerhard Kuntschik

Die Eishockey-Welt ist eine kleine, ein Mini-Universum für sich sozusagen. Wer lang genug in der Szene ist, trifft Bekannte fast überall. So auch Donnerstagabend (Ortszeit) im Staples Center von Los Angeles. Die Kings empfingen in der NHL den Außenseiter Arizona Coyotes, unterlagen nach schwacher Leistung (vor allem der Jonathan-Quick-Ersatz Peter Budaj im Tor patzte - nur 17 Abwehren) vor 18.230 Fans 3:5 und müssen als zweifacher Stanley-Cup-Champion (2012/2014) weiter um die Play-off-Teilnahme bangen. "Das war nicht die Leistung, die wir jetzt brauchen", gab Kings-Stürmer Tanner Pearson (zwei Tore, ein Assist) zu. Pearson ist übrigens nicht verwandt mit dem früheren Salzburg-Legionär (1986/87) Ted Pearson, obwohl beide aus Kitchener (Ontario) stammen.

Maßlos enttäuscht war auch Kings-Captain Anze Kopitar. Der Slowene aus Jesenice, bis 2024 (!) unter Vertrag, meinte: "Du bekommst zwei schnelle Gegentore, und dann jagst du ständig dem Spiel hinterher." Kopitar, auf seine Nationalteamkollegen aus Slowenien angesprochen, erzählte: "Ich habe mit einigen Kontakt, aber es bleibt für solche Sachen wenig Zeit. Wir sind alle dauernd im Spielrhythmus." Ob er für Slowenien bei der kommenden WM in Paris und Köln auflaufen werde, wenn die Kings tatsächlich die Play-offs verpassten, beantwortete Kopitar so: "Das ist jetzt für mich das geringste Problem. Ich muss mich auf andere Dinge konzentrieren." Immerhin meinte er zu Salzburgs Torhüter Luka Gracnar, der wie Kopitar aus dem früheren Assling stammt: "Luka ist ein guter Freund von mir und ein großes Talent. Aber ob er es noch nach Nordamerika oder zu einem Club in Nordeuropa schaffen wird, kann ich nicht beurteilen. Es bleibt keine Zeit, seine EBEL-Spiele zu verfolgen."

In der Press Box hoch oben im Staples Center fanden sich fast mehr Scouts (Spielerbeobachter) anderer NHL-Teams ein als Journalisten. Unter den Spähern: Der frühere SEC-Legionär und NHL-Headcoach (Columbus, Winnipeg) Claude Noel. Die Wiedersehensfreude war herzlich. Noel, 61, ist seit zwei Jahren Scout für die New Jersey Devils und wohnt in Phoenix. "Von dort reise ich zu fast allen Clubs der Western Conference, von Dallas und Winnipeg bis Edmonton, Vancouver und Los Angeles." Das bedeutet: ständig auf Achse bzw. im Flugzeug. Doch zurück in die Coaching-Rolle will Noel nicht: "Ich hätte kürzlich noch die Chance gehabt, in die DEL oder in die Schweiz zu gehen, aber ich will nicht mehr zurück ins Coaching." Was er bedauert: "Ich hatte nie Zeit, mit meiner Gattin zurück nach Salzburg zu kommen, wo wir uns so wohlfühlten." Das ist mittlerweile 33 Jahre her (1983/84).

Noel, Ex-NHL-Profi in Washington, war übrigens unwissentlich an einem legendären Filmmotiv beteiligt. Im Eishockey-Klassiker "Slapshot" (mit Paul Newman, Regie George Roy Hill, 1977) gab es die legendäre Szene einer wüsten Prügelei zwischen zwei Teams noch vor Matchbeginn, worauf das Spiel abgesagt wurde. In der Tat war eine Massenrauferei 1976 "Vorbild", in die die unterklassigen Teams Buffalo Norsemen und Johnstown Jets aus der nicht mehr existenten North American Hockey League verwickelt waren. Noel bestätigte, als Buffalo-Spieler in dieser Prügelei auf dem Eis gewesen zu sein. Dass er damit indirekt Teil eines Filmklassikers wurde, war damals nicht absehbar.

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