Der Alpen-Tsipras und der Mühlviertel-Hiob

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Und: Wählen wir nicht 2129?

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Purgertorium Alexander Purger

Mit seiner Forderung nach einer zünftigen Schuldenpolitik zulasten heutiger Kindergarten-Insassen hat sich Slim-fit-Kanzler Christian Kern kürzlich den Ruf eines Alpen-Tsipras eingehandelt. Man kennt das ja. Als der verflossene steirische Landeshauptmann Franz Voves ähnliche Träume geäußert hatte, war
er Kernöl-Chávez genannt worden.

Sie erinnern sich: Hugo Chávez, das war jener herausragende venezolanische Staatsmann, dem das Kunststück gelang, durch angewandten Sozialismus eines der reichsten Ölländer der Welt an den Bettelstab zu bringen.

Der Vergleich mit Franz Voves, der nur BHs zusammengelegt hat, war also höchst ungerecht. Wie es überhaupt ungerecht ist, dass diese Vergleiche immer nur in die eine Richtung gezogen werden. Warum wird Kern ein Voralpen-Renzi genannt? Warum nennt man nicht Renzi einen Cappuccino-Kern? Oder warum nennt man den leidgeprüften Kurz-Platzhalter Mitterlehner einen Mühlviertel-Hiob? Warum nennt man nicht den biblischen Dulder einen Galiläa-Django?

Und so weiter. Der rot-blaue Landeshauptmann Hans Niessl hat es sich einfach nicht verdient, Schilfgürtel-Seehofer genannt zu werden. Und nur weil Alexander Van der Bellen derzeit in jede x-beliebige Rolle bis hin zum Militärschau-Besucher schlüpft, ist er noch lange kein Kaunertal-DiCaprio.

Apropos Bundespräsidentenwahl. Das BMI, das Bundesministerium für interdisziplinäre Klebstoffversuche, sollte dringend sein Augenmerk weg von den Briefwahlkuverts und hin zu den Wahlzetteln lenken. Denn möglicherweise bietet die darauf abgedruckte Jahreszahl den nächsten Anfechtungsgrund.

Die wirklich naheliegende Ursache ist die Schlacht von Noreia, die 113 v. Chr. zwischen den Römern und den Kimbern und Teutonen stattfand. Die beiden germanischen Volksstämme siegten damals eher überraschend mit 2:1, was dazu führte, dass die Germanen ihre allererste urkundliche Erwähnung erfuhren. Ein wahrhaft freudiges Ereignis!

Zu ihrer Hoch-Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Deutschnationalen ihre Zeitrechnung daher im Jahre 113 v. Chr. Für sie brach der Erste Weltkrieg zum Beispiel nicht 1914, sondern 2027 aus. So gesehen ist es nicht auszuschließen, dass Van der Bellens Kontrahent Norbert Hofer am Wahltermin 4. Dezember 2016 Anstoß nehmen könnte. Muss es nicht 4. Dezember 2129 heißen?

Dies nur als Hinweis für Wolfgang Sobotka, den Herrengassen-Pröll, damit auf keinen Fall mehr etwas passiert. Denn Österreich hat es satt, Bananenrepublik genannt zu werden. Sollen doch die karibischen Katastrophenstaaten Erdäpfelrepubliken genannt werden!

Aufgerufen am 22.09.2018 um 01:31 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/der-alpen-tsipras-und-der-muehlviertel-hiob-1048855

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