Der Kampf des Lichts gegen die Finsternis

Warum die Innenpolitik göttlich ist und Rot-Blau im Burgenland eigentlich ganz anders heißen müsste.

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Purgertorium | Innenpolitik Alexander Purger
Der Kampf des Lichts gegen die Finsternis SN/APA/ROBERT JAEGER
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Bundeskanzler Christian Kern.

Es gibt Menschen, die ihr Leben lang mit wechselndem Erfolg versuchen, das Phänomen der Innenpolitik in Worte zu kleiden. Sie nennt man Journalisten. Und es gibt andere Menschen, die kommen, sehen und sprechen einen Satz, mit dem alles gesagt ist: "Es geht um eine Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften der Finsternis." Sie nennt man Christian Kern.

Der SPÖ-Kanzler meinte mit dieser Aussage vom verwichenen Freitag selbstverständlich sich und die FPÖ. Kern ist das Licht, die Freiheitlichen sind die Finsternis. Ein wahrhaft schönes, archaisches Bild. Kleine Geister werden sich jetzt fragen, ob sich Rot-Blau im Burgenland fortan Licht-Finsternis-, also Dämmerungskoalition nennt. Aber das hieße die Größe von Kerns Satz zu verkennen.

Er rückt die politische Auseinandersetzung ins Mythische, ins über alles Zeitliche Hinausweisende, ja, man darf ruhig sagen: ins Göttliche. Denn die Finsternis, das ist in der griechischen Mythologie Erebos. Gemeinsam mit seiner Schwester Nyx, der Nacht, ist er einer der Götter, die aus dem Chaos entstehen. (Man sieht, die Sache hat eindeutig mit der österreichischen Politik zu tun.)

Aus der Verbindung von Nyx und Erebos, also von Nacht und Finsternis (eine Art schwarz-blaue Koalition) geht eine Reihe von Subgöttern hervor. Zum Beispiel Thanatos, der Tod, Geras, das hohe Alter, sowie das Verderben, die Sorgen, der Betrug, das Verhängnis, der Streit, die Täuschung und dergleichen Unerfreulichkeiten mehr. Alles das verdanken wir den Kräften der Finsternis, sprich Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer.

Und noch etwas ist mythologisch gesehen eine dunkle Frucht der Finsternis: die Arbeit. Die Griechen hielten sie für etwas ähnlich Ekeliges wie Verderben, Krankheit und Verhängnis, weshalb sie auch die Arbeit zu einem Kind von Erebos, sprich von HC Strache, erklärten. Was sich vollkommen mit der Einschätzung deckt, dass anstelle der SPÖ heute die FPÖ die neue Arbeiterpartei ist.

So viel zu den Kräften der Finsternis. Aber wie kamen eigentlich die Kräfte des Lichts auf die Welt? Es begann, um nicht allzu weit auszuholen, mit Alfred Gusenbauer. Auch er rief seinerzeit den Kampf des Lichts gegen die Finsternis aus und wurde dabei selbst so licht und durchscheinend, dass er auf einmal weg war. Völlig weg. Nach ihm kam die Lichtgestalt Werner Sowieso. Und nachdem sich auch dieser im ewigen Licht der Helligkeit dematerialisiert hatte, hat nun Christian Kern das strahlende Lichtschwert über- und den Kampf gegen die Finsternis aufgenommen. Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass dieser Kampf in einer Dämmerungskoalition endet.

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