Edler von Faymanntreu

Die heimischen Universitäten haben kein Geld. Das Bundesheer hat kein Geld. Der Finanzminister hat kein Geld. Wenn man es genau betrachtet, hat eigentlich niemand mehr Geld. Aber das macht nichts.

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Purgertorium Alexander Purger

Der österreichische Lebemann, Finanzminister und Nationalökonom Joseph Schumpeter lehrte, dass es auch ohne geht. Wenn es dem Staat nämlich gelingt, andere Anreize zu schaffen. Wenn es (so das leicht absurde Beispiel Schumpeters) als das Allerhöchste gilt, auf seine Hose eine Briefmarke kleben zu dürfen, dann wird sich niemand mehr um den schnöden Mammon scheren, sondern alles Sehnen und Trachten wird einer Briefmarke an der Hose gelten.

Ein Staat, der sich diesen geheimnisvollen Mechanismus schon früh zunutze machte, war die ständig in Geldnot befindliche Habsburgermonarchie. Sie zahlte ihre Beamten extrem lausig, stattete sie aber mit einem derartig hohen Sozialprestige aus, dass ihnen das überhaupt nichts ausmachte.

Am Beginn ihrer Laufbahn waren viele österreichische Beamte sogar bereit, jahrelang gänzlich ohne jedes Salär (!) zu arbeiten, nur um später ihren Schreibtisch als Ersatzkaiser mit Franz-Joseph-Bart und Tafelspitz am Sonntag sicher zu haben.

Vielleicht - Gratistipp für heute - sollte sich die aktuelle Bundesregierung vor der nächsten Beamtenlohnrunde das mit dem Sozialprestige einmal genauer ansehen.

Die Beamtengehälter in der k. u. k. Monarchie waren auch für ältere Semester dürftig, doch auch für sie hatte der damalige Staat eine Art Briefmarke an der Hose parat: wunderschöne Uniformen. Mit goldbetresstem Rock und funkelndem Dienstsäbel konnte sich jeder Ministerialbeamte wie ein General fühlen und sah daher nonchalant über seinen halb leeren Gehaltszettel hinweg.

Auch das wäre aktuell vielleicht eine ernsthafte Überlegung wert. Fritz Neugebauer in Uniform, warum nicht?

Für diejenigen Staatsdiener, die schon von sich aus Uniformen trugen - also für die Soldaten -, musste man sich eine andere Ablenkung von den pekuniären Realitäten einfallen lassen. Da kam die k. u. k. Monarchie auf die Idee des Militäradels.

Jeder bürgerliche Offizier, der auf einen Fronteinsatz und 30 tadellose Dienstjahre verweisen konnte, durfte um die Verleihung eines Adelsprädikats einkommen. Das kostete den Staat genau nichts, schuf ihm aber treuere und hingebungsvollere Soldaten, als dies heute jede Truppendienstzulage könnte. Denn "von Karltreu" oder "von Siegringen", so wollte jeder heißen.

Der Schriftsteller Franz Karl Ginzkey,
Autor von "Hatschi Bratschis Luftballon" und nebenbei kaiserlicher Offizier, schildert in seinen Lebenserinnerung, welche Blüten dieses Sehnen treiben konnte.

Im Militärgeographischen Institut, in dem auch Ginzkey seinen Dienst versah, arbeitete ein Major namens Krulisch, der den Spitznamen "Gletschermajor" trug, da es seine Obliegenheit war, in die Generalstabskarten das Weiß-Blau der Gletscher einzuzeichnen. Nach seinem 30-Jahr-Dienstjubiläum beantragte der Major, der in seiner Jugend am bosnischen Feldzug teilgenommen hatte, die Verleihung eines Adelsprädikats. Seine Wahl fiel - sein Lieblingsbuch war "Der Graf von Monte Christo" - auf den klingenden Stabreim "Krulisch von Monte Christo".

Das Kriegsministerium lehnte zunächst ab, da geographische Bezeichnungen nicht als Adelstitel beantragt werden durften, genehmigte dann aber den Ersatzvorschlag des Majors. Und fortan schritt dieser mit stolzgeschwellter Brust als "Krulisch von Chrismonte" durchs Leben.

Möglicherweise, es ist nicht sicher, aber möglicherweise wäre das die Lösung für alle Probleme des Bundesheeres. Halbe Gage, dafür nach 30 Jahren die Ernennung zum "Edlen von Faymanntreu" oder - bei besonderen Verdiensten um den aktuellen Verteidigungsminister - zum "von Klugheißer".

Das wär schon was, oder?

Aufgerufen am 11.12.2018 um 02:00 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/edler-von-faymanntreu-3068578

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