Eseldame Erna und die Gebührenzahler

Was "Die Liebe der Danae" und die Schlacht am Küniglberg so alles gemeinsam haben.

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Purgertorium Alexander Purger

Niemand wird so viel gegrüßt wie Erna. Zumindest in Wien. Dort ist "Grüß Ihna" eine übliche, freidenkerische Alternative zum alpenländischen "Grüß Gott". Und wenn man das "Grüß Ihna" besonders markig ausspricht (was bei überzeugten Freidenkern durchaus vorkommt), hört es sich an wie "Grüß Erna". Diese Viennensische Lautverschiebung hat Erna zum meistgegrüßten Vornamen im österreichischen Sprachraum gemacht.

Wer unter anderem davon profitiert, ist die Salzburger Eseldame Erna. Sie ist bekanntlich die Hauptdarstellerin der Festspieloper "Die Liebe der Danae", indem sie nämlich im dritten Akt der Strauss-Oper zwei Mal über die Bühne geht. Ein Mal von links nach rechts und ein Mal von rechts nach links.

Wer jetzt einwendet, das könne doch jeder Esel, hat Erna nicht gesehen. Erna ist kein Esel, sie spielt einen. Die feine Ironie, mit der sie beim Von-links-nach-rechts-Gehen zwei Mal kurz bockt und sich scheinbar gegen das von ihrem Eseltreiber gewünschte Weitergehen sträubt, zählt zu den schauspielerischen Höchstleistungen der diesjährigen Salzburger Festspiele. Denn Erna könnte ja auch ganz normal über die Bühne gehen.

Aber nein, sie spielt gekonnt mit den Erwartungen der Zuseher, die ja davon ausgehen, dass sich ein Esel wie ein Esel benimmt. Beim zweiten, beim Von-rechts-nach-links-Gehen tut Erna hingegen nichts dergleichen, sondern schreitet eselsfromm und ohne das geringste Zerren an der Leine über die Bühne. Dadurch - so würden es Theaterkritiker formulieren - zertrümmert Erna das gängige Eselbild der Gesellschaft, hält selbiger den Spiegel vor und enttarnt die Esel-Mensch-Grenze als willkürliches Konstrukt. Ifflandring-verdächtig!

Das gilt auch für das politische Schauspiel, das soeben im ORF dargeboten wird. So wie Strauss, dem bei seiner "Danae" nicht mehr rasend viel eingefallen ist, setzen auch SPÖ und ÖVP auf Bewährtes. Wie immer führen die Eseltreiber, äh, Freundeskreise, den ORF am kurzen Halfter über die Bühne, und zwar in der Regel nach links, nur selten nach rechts. Ein Erna-artiges Bocken oder Sträuben des ORF ist selten zu bemerken.

Damit das eher altbackene Schauspiel der rot-schwarzen Entscheidungsschlacht auf dem Küniglberg etwas mehr hermacht, wird auch heuer wieder enorm in die Inszenierung investiert. Während die Salzburger "Danae" in üppigem Gold prangt, scheuen SPÖ und ÖVP weder Kosten noch Mühe, um ihre Freistilring- und Postenschacher-Bühne mit schillernder Entpolitisierung und verschwenderischer Unabhängigkeit zu schmücken. Diese Inszenierung muss man gesehen haben. Und wer zahlt eigentlich das Ganze? Grüß Erna!

Aufgerufen am 19.09.2018 um 10:40 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/eseldame-erna-und-die-gebuehrenzahler-1176184

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