Schreibfasten in der Fastenzeit

Autorenbild
Purgertorium Alexander Purger

Fastenzeit ist. Viele nehmen sich für diese 40 Tage vor, etwas kürzer zu treten. Eine Ausnahme bildet das sogenannte Autofasten. Da nimmt man sich vor, sogar etwas länger zu treten.

Eine relativ neue Entwicklung auf dem Fastenmarkt ist das Handyfasten. Dabei lautet der Vorsatz, 40 Tage lang kein Handy zu verspeisen. Auch gibt es Menschen, die sich jetzt 40 Tage lang nicht anschnallen. "Fasten your seat belts" lautet ihre Devise.

Was alle diese löblichen Fastenvorsätze eint, ist der Grundsatz, auf etwas zu verzichten, das man eigentlich gerne tut. Sich zum Beispiel vorzunehmen, bis Ostern keinen Gedanken an die Innenpolitik zu verschwenden, ist sicherlich ein Labsal. Fasten ist es keines.

Nein, Fasten muss schon ein bisserl wehtun. Das scheint auch die Regierung zu wissen und hat sich deswegen ein Streitfasten auferlegt. Seit (Stand: Donnerstagabend) 48 Stunden ist kein gröberer Koalitionskrach ausgebrochen. Sondern es wird - horribile dictu - einigermaßen ruhig gearbeitet. Wie gesagt: Fasten muss wehtun.

So gesehen sollte sich Peter Pilz dringend ein Eurofighter-Fasten auferlegen. Keine Angst, es muss nicht 40 Tage dauern. Aber einen Tag lang nicht "Eurofighter" zu sagen wäre sicher ein eminent kasteiender Fastenvorsatz.

Wobei man darauf achten muss, es mit dem Fasten nicht zu übertreiben. Gesundheitliche Schäden müssen unbedingt vermieden werden. Dem Finanzminister auch nur ein einstündiges Steuerfasten aufzuerlegen, während dem er keine Steuern und Abgaben einheben darf, wäre unmenschlich. Das würde der Mann einfach nicht ertragen!

Und dem Gesetzgeber ist es nicht zumutbar, auch nur einwöchiges Gesetzesfasten zu absolvieren. Die bürokratischen Entzugserscheinungen wie Legisten-Lahmheit und Paragrafen-Pusteln wären einfach zu arg. Außerdem arbeitet er gerade an so schönen Gesetzen gegen die Gesetzesflut . . .

Aber apropos hoher Pegelstand an Worten: Wie soll eigentlich jemand fasten, dessen Beruf es ist, wortreiche Aufsätze wie den zu verfassen, den Sie dankenswerterweise soeben lesen?

Richtig: Für ihn kommt eigentlich nur ein Wort- oder Buchstabenfasten infrage. Damit es ein bisserl wehtut, muss er 40 Tage lang auf seinen Lieblingsbuch staben verzichten, im konkreten - und somit onreten - Fall auf das K.

Das mag jetzt harmlos klingen, ist für einen innenpolitischen Berichterstatter aber durchaus eine der Fastenzeit angemessene Einschränkung. Man denke nur an die Schlagzeile "Omplexe Onflitlage in der Oalition". Oder, knapp und unverständlich: "Rach im Abinett".

Auch die Voraussage über den Ablauf des nächsten Wahlkampfs würde durch das K-Fasten erheblich beeinträchtigt: "Naciges Anzlerduell Ern - Urz". Wie klingt denn das? Und was würde Ressortleiter Andreas Oller dazu sagen? Das ist ein Holler, würde er sagen.

Andere Ressorts dieser Zeitung hätten mit einem 40-tägigen K-Fasten vermutlich weniger Probleme. Für die außen politische Berichterstattung wäre vielmehr Verzicht auf das D eine schmerzliche Fastenübung. Denn wer will schon etwas über Onal Trump lesen?

Für die Kulturredaktion wiederum ist das N ein unverzichtbarer Buchstabe. Sonst müssten die Kollegen dort ja die ganze Fastenzeit hindurch über Opern mit Joas Kaufma und Aa Etrebko berichten. Schön ist das nicht.

Vielleicht ist das mit dem Buchstabenfasten überhaupt keine so gute Idee. Vielleicht sollte man nicht Buchstaben, sondern Worte oder gleich ganze Zeilen wegfasten. Zum Beispiel so:

. . .

. . .

. . .

. . .

Schon schmerzhaft.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 11:35 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/schreibfasten-in-der-fastenzeit-164407

Schlagzeilen