Vier Kaiser im Primzahl-Jahr

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Purgertorium Alexander Purger

Das war es also, das Zweikanzlerjahr 2016. Ein Dreiwahl- und Vierwahlterminejahr war es auch, womit es sich großen Vorbildern näherte. Im alten Rom gab es ja sogar Vierkaiserjahre - 69 vor und 193 n. Chr. Von den acht involvierten Kaisern starben nur zwei eines natürlichen Todes, was die Fluktuation erklärt. Die anderen wurden gemeuchelt, niedergemacht, auf der Flucht erschlagen. Also nicht so schön.

Friedlicher ging es im Dreikaiserjahr 1888 im Deutschen Reich zu. Hier blieb allen Beteiligten ein gewaltsamer Tod erspart, einem allerdings nur um Haaresbreite. Denn Kaiser Wilhelm II., der 1888 nach dem Ableben seines Großvaters und seines Vaters den Thron bestieg, besuchte im Jahr danach eine Wildwest-Schau, die der berühmte Buffalo Bill in Berlin veranstaltete.

Star des Abends war eine Kunstschützin, die mit ihrem Colt jedem die Asche von der Zigarre schießen konnte. Als sie ins Publikum fragte, wer sich als Objekt für das nicht ganz ungefährliche Kunststück zur Verfügung stelle, meldete sich - erraten! - der forsche Wilhelm.

Die Schützin bekam Schweißausbrüche, befreite die kaiserliche Zigarre aber tadellos von der Asche. Jahre später, nämlich im Ersten Weltkrieg, schrieb die Amerikanerin an den Kaiser der mittlerweile feindlichen Deutschen einen Brief und bat ihn um einen zweiten Schuss. Wilhelm antwortete nicht.

Ganz ohne Schüsse ist es in unserem Zweikanzlerjahr abgegangen. Gut, es gab politische Quer-, Knie- und Hüftschüsse, aber alle unblutig. Das ist ja der große Fortschritt: Heute werden die Regierungschefs nicht mehr von ihrer Präto rianergarde abgeschlachtet, wie es in einem der römischen Vierkaiserjahre wegen geringfügiger Differenzen über eine Besoldungsreform im kaiserlichen Palast passierte. Nein, heute gehen Machtwechsel friedlich und antiseptisch vor sich. Der Abgelöste wird mit einem Job in Brüssel versorgt.

Wahrscheinlich war dies das Problem im alten Rom. Damals gab es Brüssel mit seiner unerschöpflichen Aufnahmebereitschaft für überzählige Staatsmänner noch nicht. Also wusste man nicht, was man mit ihnen tun sollte. Brüssel entstand ja erst im Mittelalter und hieß damals "bruk-sel", was so viel wie "Stadt im Sumpf" bedeutet. Sicher ist das aber nur ein Gerücht, gestreut von hinterwäldlerischen EU-Gegnern.

Zurück in den Vorderwald: In Österreich war es doch etwas überraschend, dass 2016 ein Zweikanzler-, aber kein Zweivizekanzlerjahr war. Denn deren gab es in der jüngeren Geschichte deutlich mehr. Seit dem letzten Zweikanzlerjahr 2008 ereigneten sich gleich drei alpenländische Zweivizekanzlerjahre, nämlich 2008, 2011 und 2014.

Wäre es nach der "Kurz & gut"-Fraktion in der ÖVP gegangen, wäre auch 2016 ein Zweivizekanzlerjahr geworden, aber man hat sich auf 2017 vertagt. Somit könnte es - Neuwahlen vorausgesetzt - durchaus passieren, dass das neue Jahr ein kombiniertes Zweivizekanzler- und Zweikanzlerjahr wird. Sprich: jede Menge Nachschub für Brüssel!

Dafür, dass 2017 ein ereignisreiches Jahr wird, spricht übrigens die Mathematik. Denn 2017 ist eine Primzahl. Ohne dem nächsten PISA-Test vorgreifen zu wollen: Eine Primzahl ist eine Zahl, die nur durch eins und sich selbst teilbar ist. Das zu Ende gehende Jahr 2016 war keine Primzahl, denn es konnte etwa durch zwei geteilt werden. Dann hätte es zwei Jahre 1008 gegeben.

2017 aber reiht sich in die Liste der Primzahl-Jahre ein, und in denen war politisch immer etwas los: 1999 begann die schwarz-blaue Wende, 2003 scheiterten die schwarz-grünen Regierungsverhandlungen, 2011 trat Josef Pröll zurück. Was wird 2017 bringen?

Danach ist jedenfalls lange Zeit Ruhe. Das nächste Primzahl-Jahr ist erst 2027.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 10:39 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/vier-kaiser-im-primzahl-jahr-599530

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