Von Statistik, Sabotage und Faschingskostümen

Was ein altes Handbuch für US-Soldaten mit der aktuellen Politik in Österreich zu tun hat.

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Purgertorium Alexander Purger

Aus Gründen der Kuriosität werden immer wieder alte Handbücher der US-Armee neu aufgelegt. Kürzlich sorgte eine solche Fibel aus dem Jahr 1945 für Erheiterung, mit der die Armeeführung ihre Soldaten auf den Einmarsch in Österreich vorbereitete. "Es hat keinen Sinn, von den Österreichern Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu erwarten", hieß es darin. "So sind sie nicht gestrickt."

Apropos gestrickt. Ein weiterer Hinweis lautete: "Trachten sind die Alltagskleidung vieler Menschen. Glauben Sie nicht, dass sie sich in Faschingskostümen zeigen." Und noch ein wichtiger Tipp war 1945: "Österreicher ändern rasch ihre politische Haltung."

Jüngst wurde nun ein Handbuch der US-Armee aus dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgelegt, das Soldaten und Widerstandskämpfer mit Ratschlägen für Sabotage und das Anrichten von Chaos versorgte. Um die Wirkung von Nazi-Propagandafilmen zu stören, schlug das Handbuch etwa vor, im Kinosaal mitgebrachte Nachtfalter freizulassen. Betriebe könnten relativ leicht lahmgelegt werden, indem man die Toiletten verstopfe. Und als jederzeit und überall einsetzbare Allzweckwaffe riet man den Saboteuren: "Stellen Sie sich dumm!"

Zur allgemeinen Schädigung des Betriebsklimas empfahl das US-Handbuch folgenden Maßnahmen-Mix: Wortklaubereien, Missverständnisse, sinnlose Sitzungen, ausgedehnte Briefwechsel und (besonders zielführend) Beförderung unfähiger Mitarbeiter.

Leser, die sich jetzt an den eigenen Arbeitsplatz erinnert fühlen, sollten vielleicht zu einem neuen Dienstgeber wechseln. Der alte wird von der US-Armee sabotiert!

Das ist leider auch beim heimischen politischen System nicht ganz auszuschließen. Denn was die Beförderung unfähiger Mitarbeiter betrifft, liefert gerade die Statistik Austria ein besonders abschreckendes Beispiel. Dort soll angeblich ein neuer Chef installiert werden, obwohl der bisherige doch der beste Garant für Fähigkeit und Unabhängigkeit ist.

Er war nämlich zuvor im Kabinett des früheren SPÖ-Bundeskanzlers Werner Faymann tätig, der sich bekanntlich ausschließlich mit unabhängigen Experten umgab, einer unabhängigen Expertenregierung vorstand und eigentlich selbst ein unabhängiger Experte war.

Sein ehemaliger, zum Statistik-Chef beförderter, unabhängiger Mitarbeiter zeichnete sich nach Angaben des unabhängigen ORF dadurch aus, dass er statistische Daten "in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang rückte". Nun wird dieser Gipfel der Unabhängigkeit womöglich in einem widerlichen Akt der Parteibuchwirtschaft abgelöst. Das wäre das Ende der unabhängigen Statistik. - Sabotage, wohin man schaut. Aber auch ein bissel Fasching.

Aufgerufen am 30.10.2020 um 04:03 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/von-statistik-sabotage-und-faschingskostuemen-65931184

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