Wie eitel darf ein Politiker sein?

Warum immer mehr Gutaussehende in die Politik gehen.

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Purgertorium Alexander Purger

Namen tun nichts zur Sache, aber das Phänomen ist offensichtlich. Und zwar nicht nur in Österreich, sondern international. Standen an der Spitze der Regierungen früher ehrwürdige Vaterfiguren, drängen dorthin heute jugendlich wirkende, smarte Managertypen, die sich lieber ein Mal zu oft als ein Mal zu wenig im Fernsehen und in der Zeitung sehen.

Woher kommt dieser Drang zur Selbstdarstellung und Eitelkeit in der Politik?

Zunächst einmal ist die Entwicklung wohl der Logik des Medienzeitalters geschuldet. Früher, als man die Politiker noch nicht mehrmals täglich frei Haus geliefert bekam, war es relativ egal, wie sie aussahen. Heute bringt gutes Aussehen gewisse Sympathiepunkte, also einen politischen Startvorteil.

Deshalb spielt die Frage des Aussehens und der Medientauglichkeit - auch wenn es die Parteien energisch dementieren würden - bei der Kandidatenauswahl durchaus eine Rolle. Spätestens im Wahlkampf hat heute jeder Spitzenpolitiker einen Stilberater, der über Haar- und Barttracht, Krawattenauswahl und Anzugschnitt entscheidet. Gutes Aussehen gehört zum politischen Geschäft.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund für den Siegeszug der Gutaussehenden. Die Spitzenpolitik hat ihrem Personal ja nicht mehr allzu viel zu bieten. Man verdient zwar viel Geld, hat aber kaum Zeit, es auszugeben. Man steht ständig unter öffentlicher Kontrolle. Und die Befriedigung über das Erreichte ist angesichts der nötigen Kompromisse gering.

Im Unterschied zu den Zeiten von Figl, Raab und Kreisky bringt ein Regierungsamt auch kaum noch Sozialprestige. Im Gegenteil. Bei der jüngsten Diskussion im Fernsehen war der Satz "Ich glaube Ihnen kein Wort!" noch das Höflichste, was Kanzler und Vizekanzler aus Bürgermunde zu hören bekamen.

Das Einzige, was eine Funktion in der Spitzenpolitik heute in Hülle und Fülle beschert, ist öffentliche Aufmerksamkeit. Also zieht die Politik jene an, die darin einen Wert erblicken, ständig fotografiert, um ihre Meinung gefragt und gefilmt zu werden.

Das macht auch nichts. Man muss jedem einzelnen Politiker dankbar sein, der sich diesem harten Geschäft im Dienste der Allgemeinheit widmet. Aus welchen Beweggründen er es tut, ist eher zweitrangig. Die Befriedigung der persönlichen Eitelkeit ist sicher noch einer der harmloseren Antriebe.

Freilich sollten Eitelkeit und Geltungsdrang wenn möglich nicht die Oberhand gewinnen. Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck soll einmal gesagt haben: "Jeder Mann ist so viel wert, als er leisten kann, abzüglich seiner Eitelkeiten." - Wenn bei dieser Subtraktion nur keiner ins Minus rutscht!

Aufgerufen am 23.09.2018 um 12:31 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/wie-eitel-darf-ein-politiker-sein-599008

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