A Meinung ham - oder so

Von angeblichem Neid und dem Unterschied zwischen Fans und Zuhörern.

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Querschläger Fritz Messner

Sämtliche Kritiker der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an Andreas Gabalier wurden kürzlich, auch vom Künstler selbst, in einen Topf mit dem Etikett "Neidgesellschaft und linke Empörungskünstler" geworfen - dazu Folgendes:

1. Ich bin Herrn Gabalier um absolut nichts neidig. Ich würde weder mein ziemlich gemütliches privates noch mein zu hundert Prozent selbstbestimmtes künstlerisches Leben gegen seines eintauschen - und schon gar nicht mein kleines, aber sehr feines Publikum gegen seine Massenaufläufe - denn es gibt einen riesengroßen Unterschied zwischen Fans und Zuhörern.

2. Obwohl sich meine Glosse ausschließlich auf künstlerische und nicht auf politische Aspekte bezog, möchte ich nun dazu Folgendes sagen: Er singt zwar in einem Lied: "A Meinung ham, dahinter stehn", handelt aber nicht danach. Vielmehr platziert er regelmäßig sehr geschickt Schlagwörter und Signale in Nebensätzen, die dann von manchen Kritikern empört aufgeblasen werden. Gleich darauf relativiert er wieder und rudert wehleidig zurück, denn die Botschaft ist längst beim Zielpublikum angekommen. Das ist unterschwellige, mit rechtspopulistischem Zeitgeist unterfütterte Selbstvermarktung - sonst gar nichts.

3. Was meine Kritik eigentlich auslöste und diese Verleihung für mich zur Farce macht, ist aber, dass man sich wenig Gegensätzlicheres vorstellen kann als die künstlerischen Ansätze, Niveaus und Lebensumstände von Karl Valentin und Andreas Gabalier. Und wenn Letzterer ein bisschen mehr Selbsteinschätzungsgabe und Demut besäße, hätte er den Preis einfach höflich abgelehnt. Aber da waren ihm wohl Geschäft und Publicity (siehe Punkt 2) wichtiger - oder zumindest seinem Management (siehe Punkt 1).

Aufgerufen am 16.09.2019 um 10:53 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/a-meinung-ham-oder-so-65301745

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