Es muss alles seinen Orden haben

Kann eigentlich jeder Halblustige im Namen anderer Ehrenzeichen verleihen? Ja, ich auch.

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Querschläger Fritz Messner

Jetzt hat also ein Faschingsverein unserem kernölgegelten Schollen-Rocker einen Orden verliehen - und zwar nicht das goldene Rehkrickerl am kleinkarierten Schnäuztüchl oder die ausgestopfte Lederhose am tiefdekolletierten Trachtendirndl, die er sich beide wahrlich verdient hätte, sondern allen Ernstes den Karl-Valentin-Orden. Ausgerechnet!

Da wurde also der Name eines wehrlosen, toten Künstlers, dessen Leben und Werk voller Ecken, Kanten, doppelter Böden und Widerhaken war, missbraucht, um einen zu ehren, der in den flachsten und trübsten Gewässern des Zeitgeists über die Stadionwellen surft. Da wird der heimattriefende Schlagerkommerz eines millionenschweren Stromlinienakrobaten mit dem Werk eines Widerständlers geschmückt, der ob seiner Unangepasstheit sein Leben lang am Hungertuch nagte. Und das geht einfach gar nicht. Nie nicht.

Das dachte sich auch ein Freund und Kollege im Geiste und im Kabarett, als er sich bei mir meldete und fragte, ob der Ausgezeichnete jetzt möglicherweise auch noch den Jacques-Brel-Preis und die Rosa-Luxemburg-Medaille einheimsen würde. Und in der Folge verliehen auch wir ehrenvolle Auszeichnungen nach demselben Muster.

Unser Innenminister erhielt die bronzene Menschen-rechts-Charta am ehernen Verfassungsbogen, der Kanzler das silberne Plappermaul an der blinden Kuh, Peter Pilz den Alice-Schwarzer-Ring am schlimmen Finger, die Sozialministerin die Bruno-Kreisky-Plakette, Norbert Hofer den Klimaschutzorden am steigenden Meeresspiegel und so weiter und so fort.

Und ich selbst würde mich so gesehen wohl ideal für die Weight-Watchers-Erinnerungsmedaille in Form einer lauwarm pochierten Bambussprosse an Eichenlaub und Brunnenkresse eignen.

Aufgerufen am 28.11.2020 um 02:52 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/es-muss-alles-seinen-orden-haben-64932781

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