Carpe diem - aber nur den halben?

Wer immer mehr von der Schule fordert, muss ihr auch mehr Zeit geben.

Autorenbild
Querschläger Fritz Messner

Unsere Frau Bildungsministerin will künftig in der Schule digitale Kompetenzen vermitteln. Die künftigen Staatsbürger sollen den Umgang mit den neuen Medien lernen, damit sie am Ende vielleicht nicht mehr alles als unumstößliche Wahrheit hinnehmen, was entfernte Freunde (aus Russland …?) ins Facebüchl hineinposten. Der Herr Minister für's Grobe und Sport fordert eine tägliche Turnstunde - nicht für sich, sondern für die werten Schüler, damit die dann nicht vor digitaler Kompetenz strotzend tagelang am Device hocken und schon einrosten und einrüsten, bevor sie ausentwickelt sind. Die Wirtschaft fordert mehr Technik, ökonomische Grundlagen und Berufsorientierung, damit wir unseren Standort wieder fit bekommen und nicht von weiteren Konkurrenten überholt werden.

Die musische Komponente soll natürlich auch nicht zu kurz kommen, denn sie formt und entwickelt die Persönlichkeit - nicht umsonst gibt es in allen Privat- und Eliteschulen Theatergruppen, Schulorchester, Film- und Kunstprojekte. Und mehr und vielfältiger Sprachunterricht, einerseits für hochbegabte Sprachentalente, andererseits für Zuwanderer, ist in Zeiten des globalen Dorfes unumgänglich. Die Leistungsschwachen sollen gefördert und die oft vergessenen Leistungsstarken sollen gefordert werden. Dazu noch Sozial- und Ethikunterricht, Lernhilfe, Freizeitgestaltung, und ach ja: Lesen, schreiben und rechnen sollen sie auch wieder besser können.

Alle diese Forderungen an die Schule sind berechtigt - nur soll mir bitte jemand erklären, wie das alles ohne eine Ganztagsschule, in der es durchaus auch Zusammenarbeit mit Sport- und Kulturvereinen, Betrieben und anderen Institutionen geben könnte, umgesetzt werden soll.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 04:38 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/carpe-diem-aber-nur-den-halben-537733

Schlagzeilen