Die Saat der Schafspelzträger

Internetpropaganda für verunsicherte Durchschnittsbürger statt Springerstiefel.

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Querschläger Fritz Messner

Nach dem ganzen Eiertanz der Regierung rund um die Identitäre Bewegung stellt sich die Frage, was rechtsradikale Gruppierungen wie die IB eigentlich genau wollen und was ihre Strategien sind, dies zu erreichen. Sie wollen nichts anderes, als unsere Demokratie zerstören. Und da die Bürger von Nazisprüchen und Springerstiefeln eher abgeschreckt werden, haben sie sich neuerdings den Schafspelz übergestülpt und verwenden andere Mittel. Sie wollen die Demokratie durch Schüren von Angst und Verbreiten von Desinformation "sturmreif schießen" und sind wahre Meister darin, die sozialen Netzwerke dafür zu verwenden. Auf Seiten mit harmlosen, meist mit Heimat verbrämten Titeln und rot-weiß-roten Flaggen werden immer wieder die gleichen Halb-, Viertel- und Unwahrheiten verbreitet und die gleichen Parolen und Verschwörungstheorien wiederholt, um sie nach und nach in die Mitte unserer Gesellschaft zu pflanzen und gleichzeitig demokratische Institutionen und "Systemmedien" lächerlich zu machen. Es werden dafür vor allem Gefühle wie Angst, Häme und Hass erzeugt, gegen die Argumente zwecklos sind. Und jeder, der sich auf diesen Plattformen umschaut, sieht, wie gut diese Strategie aufgeht. Welche menschenverachtenden und abstrusen Äußerungen dort von scheinbar ganz normalen Durchschnittsbürgern - mittlerweile meist sogar unter Klarnamen und mit netten Urlaubsfotos im Profil - getätigt werden, ist erschreckend.

Und wie weit FPÖ und ÖVP dieser rechtsradikalen Saat durch ihre Politik, ihre Sprache oder einfach durch Duldung - gewollt oder ungewollt - den Boden bereiten, müssen sich die Funktionäre und vor allem die Wähler dieser Parteien selbst überlegen und mit ihrem Gewissen vereinbaren.

Aufgerufen am 25.04.2019 um 07:29 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/die-saat-der-schafspelztraeger-68584123

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