Gute Nacht, Stille Nacht

Abgesang auf ein schlichtes Lied, das zur riesigen Werbefläche aufgeblasen wird.

Autorenbild
Querschläger Fritz Messner

Das angedrohte amerikanische Stille-Nacht-Musical des Landestheaters und die Ankündigung der Stille Nacht GesmbH (!), Touristen mit Bussen an einem Tag durch sämtliche Stille-Nacht-Gemeinden des Landes zu schleifen, sind nur die ersten Vorboten eines Stille-Nacht-Tsunamis, der im nächsten Jahr über Salzburg schwappen wird. Denn wenn Massentourismus und Marketing ihre Schleusen öffnen, gibt es kein Halten mehr. Dörfer, in denen die Herren Gruber oder Mohr auf der Durchreise dereinst lediglich einem dringenden Bedürfnis nachgekommen sind, werden sich zum Stille-Nacht-Hotspot hochstilisieren, an besagter Stelle einen Gedächtnisspringbrunnen errichten und diesen mit einem extra komponierten Stille-Nacht-Marsch der örtlichen Blasmusik eröffnen. Das DJ-Duo Groovy & Moore wird mit "Stille Nacht am Ballermann" einen Mega-Sommerhit landen und auch Silo, der Gängster-Rapper mit Lungauer Migrationshintergrund wird mit "Woaß i genau, wo dei Kripperl wohnt, Oida!" die Charts stürmen. In mit Hightech-Glitzerdeko aufgemotzten Stadlattrappen wird man die übliche Heiligenschein-Karawane zu zig Stille-Nacht-Fernsehaufzeichnungen zusammentreiben und alle werden sich an dem Lied vergreifen: Promitenöre werden es schmettern, Furchenrocker werden es brettern, Schlagerdivas werden es flöten, Schunkelkombos werden es tröten und alle miteinander werden es töten. Spätestens zu Nikolo werden tausende gestandene Lodenjanker-Traditionalisten beim ORF anrufen und flehentlich bitten, endlich wieder "Last Christmas" von George Michael in Endlosschleife hören zu dürfen.

Also: Genießen Sie das Lied an diesem Heiligen Abend noch einmal in aller Ruhe, am nächsten werden Sie es nicht mehr hören können.


Aufgerufen am 15.12.2018 um 03:10 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/gute-nacht-stille-nacht-21969208

Kommentare

Schlagzeilen