Hansi Quijote und Andi Pansa

Von der gloriosen Auferstehung zweier unverwüstlicher Ritter für die heile Welt.

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Querschläger Fritz Messner

Fast schien es, als würden wir sie nie mehr wiedersehen. Man hatte sie einfach durch zeitgeistkompatiblere Figuren ersetzt - entweder durch modelhafte Schlager-Amazonen, die sich mit dem seelenlosen Gehabe amerikanischer Superstars inszenieren, oder durch sogenannte Volks-Rock-&-Roller, die, wenn man die oberste Schicht abkratzt, alles das, was Rock & Roll ausmacht, ins Gegenteil verkehren. Wir, die wahren Fans des guten alten deutschen Schlagers, sind mit denen nie warm geworden, denn wir wollen keine stadion tauglichen Posen, sondern unsere gewohnte Überdosis Schmalz und Schmelz. Und so hat man sie nun für uns exhumiert, den Hansi und den Andi.

Der Hansi strahlt wie eh und je, wenn er leichtfüßig über Tiroler Tourismusland schaften tänzelt oder mit einem Experten über Kuh-Frisuren fachsimpelt. Sein Co-Moderator, der Ustin, sagt er, sei der Enkel seines einstigen vierpfotigen Freundes Quincy. Der bärige Blondschopf hingegen scheint in drei Hundeleben um keinen Tag gealtert zu sein und sein Premiumlächeln strahlt sympathischer denn je. Auch der treue, rundliche Andi reitet wieder durch die Fernsehlandschaft, zwar nicht auf einem stolzen öffentlich-rechtlichen Gaul, sondern nur auf einem privaten Esel, aber was soll's, seine gute Laune ist ansteckender als Vogelgrippe, wenn er mit Don Hansi gegen die erbarmungslosen Windmühlen der Realität anreitet.

Die ist Lichtjahre von uns entfernt, wenn wir uns wohlig in die weichgezeichnete Welt unserer Helden kuscheln. Und wenn wir zwischendurch kurz aufwachen, dann zappen wir ganz schnell weg oder rufen aufgeregt nach radikalen Veränderungen, die alle betreffen sollen außer uns selbst, damit alles wieder so wird, wie es nie war.

Aufgerufen am 16.10.2018 um 02:32 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/hansi-quijote-und-andi-pansa-20528053

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