Kein Platz für Helden?

Kurzer Versuch über das Heroische im öffentlichen Raum.

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Querschläger Fritz Messner

Die Umbenennung des Wiener Heldenplatzes ist in der Prioritätenliste dieses Landes ungefähr auf Platz 37.476, aber wenn schon darüber geredet wird, schadet es sicher nicht, sich ein paar Gedanken über den Heldenbegriff an sich zu machen. Was sind Helden, wer macht sie und wofür? Im Lauf der Geschichte wurden meistens Kriegsherren zu Helden (gemacht), und wenn man sich die Einzelfälle genauer anschaut, dann diente dies so gut wie immer zur Erhaltung der Macht der jeweils Herrschenden. Auch oder gerade weil die Legenden der auf den Sockel Gestellten meist nichts mehr mit den historischen Fakten zu tun hatten, waren sie perfekte politische Werkzeuge.

Etwas anders verhält es sich mit jenen oft freiwillig, sehr oft aber auch unfreiwillig eingerückten Soldaten, die auf unseren sogenannten Kriegerdenkmälern meist als Helden abgebildet werden. Hier wird das Heldenhafte dazu verwendet, um ihren Tod im Nachhinein zu glorifizieren und so zu rechtfertigen, denn in Stein gemeißelte Opfer hätten wohl zu viele unangenehme Fragen nach Sinn und Tätern aufgeworfen.

Aber zurück zur Gegenwart. Wenn die alten Recken nicht mehr zeitgemäß sind, was wären geeignete Heldendenkmäler für unsere von Spaß und Kommerz geprägte Zeit? Dietrich Mateschitz auf einer Getränkedose? David Alaba auf einem Küchenkastl oder Marcel Hirscher am Sessellift? Andreas Gabalier? Ein illuminierter, auf einem Bierzelttisch stehender und den Rai nermarsch grölender Trachtler? Oder doch die neuen Helden unserer Landesverteidigung, die tapferen und selbstlosen Waffenlobbyisten, jeder einzelne an eine riesige Schraubenmutter im Wert von 124.000 Euro geschmiedet. Also ehrlich, schön langsam wird mir die Idee sympathisch.

Aufgerufen am 25.11.2017 um 05:01 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/kein-platz-fuer-helden-53926

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