"Low Input" oder: Weniger ist oft mehr

Von der Turbo-Landwirtschaft, ihren Profiteuren und einem Gegenkonzept.

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Querschläger Fritz Messner

Jahrzehntelang ist uns unterschwellig eingeredet worden, dass naturnahe Lebensmittelproduktion zwar eh super und putzig wäre, die Zukunft der Landwirtschaft aber eindeutig im Einsatz von Technik, Chemie und Genmanipulation und in der Bewirtschaftung immer größerer Flächen mit höherer Produktivität läge. Und so wurden - auch bei uns im Gebirge, vor allem aber im Flachland - immer größere Einheiten gebildet, immer mehr, größere und teurere Maschinen angeschafft, immer leistungsfähigere Tiere und Pflanzen gezüchtet, immer mehr Chemie auf die Böden und Pharmazie in die Tiere gespritzt und so immer mehr Abhängigkeiten von Banken, Konzernen und Institutionen geschaffen. Und das Ergebnis? Ausgelaugte Flächen, krankheitsanfällige Tiere und Pflanzen und Preisverfall durch Überproduktion. Das Gegenkonzept nennt sich "Low Input" - also geringer Einsatz. Ein Beispiel: Eine kleine, 700 kg schwere Kuh, die mit Gras und Heu gefüttert wird, gibt 7000 Liter Milch pro Jahr, eine Turbokuh mit 900 kg, die mit Kraftfutter gefüttert wird, gibt 9000 Liter. Unter dem Strich verdient der Bauer mit den kleineren Tieren aber gleich viel, weil er sich das Geld für das Kraftfutter und die Tierarztkosten für die viel anfälligeren Hochleistungskühe spart. Ein ganz anderes Beispiel: In afrikanischen Maisanbaugebieten ist der Boden durch Monokultur schon derart ausgelaugt, dass die Erträge trotz Einsatzes von immer mehr Chemie drastisch sinken. Durch Mischkulturen mit Hülsenfrüchten steigt der Ertrag wieder - mit einem Bruchteil der eingesetzten Düngemittel.

Nun rechnen Sie sich bitte aus, wer in beiden Beispielen - es gäbe noch viele andere - bisher profitiert und kein Interesse an Veränderung hat.

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