Mein postfaktisches Weltbild

Vom absoluten Urknall, dem heiligen Zuckerberg und der unerbittlichen Lügenpresse.

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Querschläger Fritz Messner

Die Welt wurde am 1. April von Donald Trump erschaffen, denn er hat den absolut größten Urknall. Sie besteht aus einer viereckigen Scheibe, die in verschiedene Zonen eingeteilt ist. In der Mitte befindet sich das Reich der Guten und der Wissenden. Es wird ringförmig von den dunklen Mächten des Bösen umschlossen und ständig bedroht, und muss sich deshalb mit allen Mitteln verteidigen.

Und weil man in einer solchen Lage nicht lange recherchieren, nachdenken und herumdiskutieren kann, gibt es nur absolute Wahrheiten. Edle Anführer und unsichtbare Priester steigen bei Sonnenaufgang auf den heiligen Zuckerberg, wo sie sie als Morgentau vom Baum der Erkenntnis lecken und dann in Form von alternativen Fakten zu uns, den Auserwählten, herunterzwitschern oder auf hölzerne Pfosten, sogenannte Posts, nageln. Oft werden sie auch auf die Blätter am Boulevard der großen Buchstaben geschrieben. Diese Wahrheiten werden dann von den guten Bürgern weiterverbreitet, ohne darüber nachzudenken. Denn wer sie hinterfragt oder gar abstreitet, gehört nicht zu den Auserwählten, sondern ist ein willenloses Werkzeug jener, die uns vernichten wollen, und kommt deshalb so lange in die Lügenpresse, bis auch der letzte Gifttropfen des Zweifels aus ihm herausgequetscht wurde.

Und wenn wir dereinst alle finsteren Mächte und ihre blinden und willfährigen Helfer bekehrt oder besiegt und über den Rand der Weltscheibe gedrängt haben werden, wird ein paradiesisches Zeitalter anbrechen. Es werden Milch und Honig fließen und alle Menschen werden glücklich und zufrieden sein, denn jeder wird von allem viel mehr haben als sein Nachbar.

PS an potentielle Kritiker dieser Offenbarung: Denkt an die Lügenpresse.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 08:59 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/mein-postfaktisches-weltbild-493024

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