Was dieser Welt noch gefehlt hat

Vergessen Sie Frau Holle - selbst ist der inneralpine Schneekönig.

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Querschläger Fritz Messner

Selbst unter den hartnäckigsten Klima-Optimisten apert langsam die Gewissheit aus, dass Dezemberschnee in Zukunft wohl eher nur mehr in den Garderoben von vorweihnachtlichen Schlagerevents regelmäßig rieseln wird, weil die liebe Frau Holle ihre Aktion "Weiße Weihnachten" weitgehend eingestellt hat. Aber was soll man dagegen tun? Die Liftler haben leicht lachen, die beschneien ihre Rutschbänder einfach. Aber was soll der einfache Bürger machen, in dessen weihnachtlichem Vorgarten die kunstvoll applizierten Lichterketten nicht auf die weiße Pracht, sondern auf die letzten, vom gerade eingewinterten Laubbläser verschonten Herbstblättlein und auf die ersten, verwirrt in die milden Dezembernächte blinzelnden Krokusse strahlen? Wie soll da Stimmung aufkommen? Mein genialer Vorschlag, Weihnachten einfach um drei Wochen ins vorerst noch schneereiche Jännerloch zu verschieben und dafür den Bauernherbst bis Silvester zu ver- längern, wurde ja kürzlich brüsk zurückgewiesen. Müssen wir uns also dauerhaft auf grüne Weihnachten einstellen? Mitnichten - Erlösung naht aus Tirol.

Dort hat ein findiger Techniker eine Beschneiungsanlage für den Garten entwickelt. Mit Wasser aus einem Gartenschlauch, einem Kompressor, einem Hochdruckreiniger und jeder Menge Energie aus der Steckdose zaubert sie flockiges Weiß zwischen und auf die traditionellen alpinen Thujenhecken und Glanz nicht nur in Kinderaugen. Denn die Vatis freuen sich schon wie die Schneekönige darauf, das nächtens selbst produzierte Weiß tagsüber mit der im Baumarkt gleich miter standenen Schneefräse wegzuhobeln, damit am Abend wieder genug Platz zum Beschneien ist. Und genau das hat dieser Welt noch gefehlt.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 11:06 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/was-dieser-welt-noch-gefehlt-hat-515971

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