Der fatale Charme der reichen Onkel

Gaißau-Hintersee, Postalm, Bad Gastein: Drei Mal haben Gemeinden und Region fremden Investoren vertraut, drei Mal wurden sie enttäuscht. Eine Warnung für andere.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Krispl-Gaißau und Hintersee zittern, ob die Lifte in ihrem gemeinsamen Skigebiet diesen Winter wieder fahren werden.

Strobl muss nach einer Insolvenz davon ausgehen, dass auf der Postalm in der nächsten Saison niemand Ski fahren wird. Selbst wenn es Schnee geben sollte. Die Lifte standen zuletzt zum Verkauf.

Und das stolze Bad Gastein muss schon seit der Jahrtausendwende hilflos zusehen, wie Teile seines prachtvollen historischen Zentrums zerfallen.

Was die genannten Gemeinden eint: Sie haben - zum Teil notgedrungen - auf Investoren von außerhalb der Region gesetzt, die nicht gehalten haben, was sie versprachen. In Gaißau-Hintersee ist es "der Chinese", in Bad Gastein "der Wiener Garagenkönig" beziehungsweise mittlerweile dessen Erben, auf der Postalm ist es ein steirischer Unternehmer.

Gemeinden und Regionen sind dem Charme der sprichwörtlich reichen Onkel erlegen. Was sich als fatal erwies. Sie brachten nicht Rettung, sondern bestenfalls Stagnation, schlimmstenfalls weiteren Niedergang.

Über die Absichten der Investoren, die nicht investieren, können die betroffenen Gemeinden und ihre Bürger nur rätseln: Soll der Druck so lange erhöht werden, bis die öffentliche Hand eingreift - und zahlt?

Bei allen drei Problemfeldern handelt es sich um touristische Infrastruktur, die für die Gemeinde und die Region enorm wichtig ist. Doch Gemeinden und Region haben über deren künftige Entwicklung völlig die Kontrolle verloren. Weil sie sie einst aus der Hand gaben. Man stelle sich vor, wie anders sich die Lage in der Gaißau, in Strobl und in Bad Gastein präsentierte, wären die wirtschaftlich Hauptverantwortlichen nicht Männer in China, Wien oder der Steiermark. Sondern man könnte heimische Unternehmer und Politiker in die Pflicht nehmen, weil sie sich dieser - in Salzburg wohnhaft und verwurzelt - nicht entziehen könnten.

Dann wäre es vergleichsweise einfach, für Gaißau-Hintersee und die Postalm ein Nutzungskonzept zu entwickeln, das darauf Bedacht nimmt, dass in diesen niederen Lagen wegen des Klimawandels bald wohl nicht mehr oft Ski gefahren werden kann. Dennoch ließen sich die Anlagen zusätzlich für einen Wander- und Erlebnistourismus nutzen und umwandeln - zu betreiben das ganze Jahr über.

Bad Gastein hat dank der Initiative heimischer Hoteliers und Touristiker in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Aufschwung genommen und sich neue Gästeschichten erschlossen. Doch wie würde erst die Post abgehen, zöge auch wieder Leben in die leer stehenden Hotels im Zentrum ein?

Für Gaißau-Hintersee, die Postalm und das Zentrum Bad Gasteins bleibt trotz aller Widrigkeiten Hoffnung, dass sich die Investoren doch noch um ihr Eigentum kümmern. Für andere Regionen mit in Schwierigkeiten befindlichen Tourismusbetrieben bleibt die Warnung: Besser nicht auf den reichen Onkel von Irgendwo vertrauen, sondern auf die eigene Stärke, Findigkeit und - ganz wichtig - Einigkeit.

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