Werbetürme wachsen in den Himmel

Und das ist alles andere als schön anzusehen. Es ist Zeit für neue Regeln und die Bereitschaft zur Selbstbeschränkung in den betroffenen Branchen.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Suchte man ein Symbol für unsere konsumorientierte Welt, man fände es in der Flachgauer Marktgemeinde Straßwalchen. Dort klagen Bürger, man sehe auf der Braunauer Straße ins Zentrum fahrend den Kirchturm kaum noch. Der werde nämlich von einem Werbeturm für eine Handelskette in den Schatten gestellt. Der Werbeturm ist
17 Meter hoch, der Kirchturm
48 Meter. Der Eindruck, hier dominiere das weltliche Geschäft das himmlische Geschehen, trügt also und ist der Perspektive geschuldet. Dennoch, ein 17 Meter hoher Werbeturm mitten im Markt: Muss das sein? Oder fände die Kundschaft in dieser zentralen Lage nicht auch ohne ihn den Weg?

Die Marktgemeinde würde den Turm am liebsten wieder loswerden - und den Spott dazu, den sie sich mit ihrer bau- und gewerberechtlichen Bewilligung zugezogen hat. Der Antrag hatte die Höhe des Turms nämlich mit 17.000 Millimetern angegeben. Weswegen man in der Gemeindestube offenbar dachte, es handle sich nur um ein Türmchen.

Nicht nur in Straßwalchen lösen Werbetürme, im Fachjargon Pylone genannt, heftige Diskussionen aus. Sie scheinen überall in den Himmel zu wachsen - an Autobahnen und Kreisverkehren, in Gewerbegebieten und selbst inmitten von Ortschaften. Schön sind sie in den seltensten Fällen, dominant in den meisten. Es ist schließlich ihr Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen. Wer nicht wirbt, stirbt, heißt es. Im Wald von Werbetürmen stirbt aber leider oft auch das Orts- und Landschaftsbild. Was tun? Am besten nachvollziehbare und für alle gleichermaßen gültige Regeln schaffen.

Derzeit nämlich wird die Bewilligung von Werbetürmen von Gemeinde zu Gemeinde nach dem Ortsbildschutzgesetz unterschiedlich gehandhabt. Es ist Interpretationssache, was dem Ortsbild zuträglich ist und was nicht. Das ist unfair gegenüber den Antragstellern, die in Gemeinde A bewilligt bekommen, was ihnen in Gemeinde B verweigert wird. Das bringt die Bürgermeister unter Druck. Wie sollen sie erklären, dass nach, sagen wir, zehn Werbetürmen Schluss sein soll?

Die Errichtung von Werbetürmen muss daher zu einer Frage der übergeordneten Raumordnung des Landes werden. Klare, strenge und für alle geltende Kriterien sollten festlegen, wo und in welcher Höhe sie noch errichtet werden dürfen.

Die betroffenen Branchen wiederum wären gut beraten, über eine freiwillige Selbstbeschränkung nachzudenken. Darauf zu hoffen, mag naiv scheinen. Doch wäre eine Selbstregulierung kaufmännisch vernünftig. Einfach deshalb, weil sie den Unternehmen enorme Sympathie in der Bevölkerung und somit Kundschaft einbrächte, wenn sie zur Einsicht gelangte: Weniger und niedrigere Werbetürme bedeuten ein Mehr an Schönheit und Nachhaltigkeit.

Und das sind Werte, mit denen sich trefflich werben lässt.

Aufgerufen am 08.03.2021 um 07:24 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/werbetuerme-wachsen-in-den-himmel-16958182

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