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ORF-Technik-Vizedirektor Thomas Prantner bewirbt sich als ORF-Chef

ORF-Technik-Vizedirektor Thomas Prantner bewirbt sich am letzten Tag der regulären Bewerbungsfrist für den ORF-Generaldirektorenposten. Das teilte er am Mittwoch mit.

Thomas Prantner SN/orf/hans leitner
Thomas Prantner

"Es ist nun Zeit für Veränderungen und einen Change- und Transformationsprozess im Unternehmen", sagte er. Mit einem Reformprogramm wolle er den ORF im Interesse des Publikums sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in eine "neue, gute Zukunft" führen.

Prantners Ankündigung wird ORF-intern als strategische Bewerbung gedeutet, um sich für die Wahl der ORF-Direktoren im September in eine gute Position zu bringen. Bisher haben der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, ORF-1-Channelmanagerin Lisa Totzauer sowie ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann, der als Wunschkandidat der Kanzlerpartei ÖVP gilt, ihre Kandidatur für die Wahl des ORF-Chefs am 10. August bekannt gegeben.

Die ÖVP kommt mit bürgerlich-unabhängigen Stiftungsräten auf eine Mehrheit im obersten ORF-Aufsichtsgremium. Weißmann dürfte damit die besten Karten haben.

Prantner, der bereits bei der ORF-Generaldirektorenwahl 2016 als Kandidat gehandelt wurde, streicht seine 33-jährige ORF-Karriere - davon 26 Jahre mit Führungserfahrung - hervor. Seit 2012 fungiert der 56-jährige Wiener als Leiter der Abteilung "Online und neue Medien" und damit auch als Chef der ORF-TVthek. Von 2007 bis 2011 war Prantner Onlinedirektor. Zuvor agierte er etwa als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und als Marketingchef.

Er habe sich für eine Bewerbung entschieden, da er in den vergangenen 15 Jahren "mit einer objektiv nachweisbaren Erfolgsbilanz die Digitalisierungsoffensive entscheidend mitprägen konnte". Als Beleg dafür führt er etwa die Gründung der ORF-TVthek, der größten österreichischen Videoplattform, an. Auch verweist er auf die laufende Modernisierung des ORF.at-Netzwerks, das laut Prantner in etlichen Bereichen an der Spitze der heimischen Online-Medienangebote steht.

Es sei unbestritten, dass der ORF in den vergangenen Jahrzehnten gut, professionell und wirtschaftlich solide geführt wurde, meinte Prantner. "Es ist aber gleichermaßen unbestritten, dass wir nun aufgrund rasanter globaler Veränderungen im Medienbusiness und einer herausfordernden Konkurrenzsituation auf dem Programm-, Rechte- und Werbemarkt an einer Zeitenwende stehen", so der Medienmanager.

Auf Basis eines neuen Reformprogramms wolle er maßgeblich dazu beitragen, den ORF "mit Verantwortungsbewusstsein, Umsicht, Einsatz, Dynamik, Entscheidungsstärke und Durchsetzungskraft in eine neue, gute Zukunft" zu führen. Der ORF müsse mit einem klaren Fokus auf Österreich, Programm-Innovationen, weitreichenden Strukturreformen, einer starken ORF-Technik und der Fortsetzung der Digitalisierungsoffensive erneuert und für die Zukunft optimal aufgestellt werden, skizzierte der ORF-Technik-Vizedirektor seine Vorhaben.

Prantner machte in den 1990er-Jahren zunächst unter dem SPÖ-nahen Generalintendanten Gerhard Zeiler Karriere, entwickelte unter Schwarz-Blau Anfang der 2000er-Jahre gute Kontakte in Richtung FPÖ und positioniert sich selbst inzwischen als unabhängiger Bürgerlicher mit guten Kontakten in alle politischen Richtungen.

Zuletzt sorgte er als Chef der ORF-TVthek für Aufsehen. Redakteursvertreter monierten, dass mit der Entscheidung Prantners, den Bundestag der Jungen Volkspartei (JVP) per Livestream in der ORF-TVthek zu zeigen, der Eindruck "politischer Wunscherfüllung" entstanden sei.

Die Bewerbungsfrist für den ORF-Generaldirektorenposten endet heute, Mittwoch. Eine Möglichkeit für Nachbewerbungen ist bis Dienstag, 3. August, eingeräumt. Um zum nicht öffentlichen Hearing am 10. August und damit dem Tag der Wahl eingeladen zu werden, müssen Bewerber mindestens von einem Stiftungsrat des 35-köpfigen obersten ORF-Gremiums nominiert werden. Diese haben dafür bis 6. August Zeit.

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