Österreich

Christine Aschbachers kurze Karriere

Als Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Christine Aschbacher vor einem Jahr mit der Führung des Arbeits- und Familienministeriums betraute, galt sie als politisch unbeschriebenes Blatt. Dabei stammt die heute 37-jährige Steirerin aus einer traditionellen ÖVP-Familie.

Christine Aschbacher SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Christine Aschbacher

Kurz und seinen Büroleiter Bernhard Bonelli kennt Aschbacher seit ihrer Zeit in der Schülerunion. Das bewahrte sie aber nicht davor, wegen einer Plagiatsaffäre als erste türkis-grüne Ministerin zurücktreten zu müssen.

Geboren wurde Aschbacher am 10. Juli 1983 in Graz. Ihr Vater war für die ÖVP Bürgermeister, ihre ältere Schwester ist Ortschefin in Wundschuh. Ihre Vita weist außerdem Stationen im Wirtschaftsressort im Kabinett des Ressortchefs Reinhold Mitterlehner sowie im Finanzressort unter Maria Fekter (beide ÖVP) auf.

Über etliche Jahre war Aschbacher auch im Beratungsbusiness tätig. Vor ihrem Wechsel in die Regierung betrieb sie die Agentur Aschbacher Advisory. Aschbacher ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.

An sich ist Aschbachers Ressort durchaus ein gewichtiges, verwaltete sie doch nicht nur die Familienagenden, sondern auch die unter Türkis-Grün vom grünen Sozialministerium zur ÖVP gewanderte Zuständigkeit für den Arbeitsmarkt. Und als dreifache Mutter und Leiterin einer Beratungsagentur schien sie der ÖVP Beruf und Familie perfekt zu vereinbaren - zumal auch die politische Herkunft aus der Steiermark passte. Politische Punkte konnte Aschbacher, die von der Opposition mehr um ihrer Freundlichkeit willen als fachlich geschätzt wird, damit allerdings keine machen.

Das lag einerseits natürlich an Umständen außerhalb Aschbachers Kontrolle: Mit der Coronapandemie und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise blieb der Arbeitsministerin vor allem die undankbare Rolle, Woche für Woche neue Rekordwerte an Arbeitslosen und Kurzarbeitern vermelden zu müssen. Andererseits bewies sie sich in der türkisen Kernkompetenz der öffentlichen Inszenierung aber auch nur wenig stilsicher, wie der Fauxpas um den "Corona-Familienhärteausgleich" zeigte. Den zahlte die Ministerin Ende Mai persönlich und in bar an ein Kleinkind aus, ließ sich dabei von einem Kanzleramtsfotografen für Pressebilder ablichten und rechtfertigte die Aktion danach mit dem Hinweis, das Baby habe eben nach dem Geld gegriffen.

Gestolpert ist Aschbacher nun allerdings über eine Plagiatsaffäre. Der als "Plagiatsjäger" bekannte Universitätslektor und Sachverständige Stefan Weber attestierte der 2006 eingereichten Diplomarbeit der Ministerin "Plagiate, falsche Zitate und mangelnde Deutschkenntnisse". Das Ganze hätte sich möglicherweise gerade noch als Jugendaffäre aussitzen lassen können, hätte Aschbacher nicht noch im vorigen Mai - also schon in ihrer Zeit als Ministerin - eine Dissertation an der Technischen Universität Bratislava eingereicht, die ebenfalls großflächig abgeschriebene Passagen enthält. Dies hat dem Vernehmen nach auch parteiintern für Fassungslosigkeit und Kopfschütteln gesorgt. Auch wenn Aschbacher nun darauf beharrt, ihre Arbeiten "nach bestem Wissen und Gewissen verfasst" zu haben, und politische und mediale Vorverurteilung beklagt.

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