Österreich

Vorwürfe gegen Bischof Schwarz: Visitator Lackner holt Amtskollegen und einen guten Freund zu Hilfe

In wenigen Tagen startet der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in eine ungewöhnliche Mission: Er wurde vom Vatikan nach Kärnten entsandt, um die Vorwürfe gegen den früheren Bischof Alois Schwarz zu prüfen. Hilfe kommt aus Vorarlberg. Indes hat Schwarz Termine in Salzburg abgesagt.

Misswirtschaft, übergangene Gremien und eine zweifelhafte Beziehung zu einer Frau: Gegen den nunmehrigen Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, wurden in den vergangenen Wochen schwere Anschuldigungen laut. Erhoben hat sie das Domkapitel der Diözese Gurk-Klagenfurt, angeführt von Engelbert Guggenberger. Sie kritisieren Schwarz scharf, auch wegen seiner offenbar misslungenen Finanzpolitik im Mensalgut (den "Pfründen des Bischofs").

Um zu klären, was hinter den Vorwürfen steckt, hat die Bischofskongregation in Rom zu einem mächtigen Werkzeug gegriffen und eine apostolische Visitation angekündigt. Anführen wird sie der Salzburger Erzbischof Franz Lackner.

Psychotherapeut soll eingreifen

Darüber, wie er seine Nachforschungen anlegen wird, gibt es noch keine Informationen. Am Mittwoch ist durchgesickert, dass Lackner sich Unterstützung von seinem Bischofskollegen Benno Elbs aus Vorarlberg holt. Dessen Sprecherin Veronika Fehle in Feldkirch sagte auf SN-Nachfrage: "Ich dementiere das nicht. Unser Bischof ist zwar nicht der Visitator, wird aber in beratender Funktion dabei sein."

Der gebürtige Bregenzer Benno Elbs ist ausgebildeter Psychotherapeut. Wie "Die Presse" berichtet, hatte Elbs bereits im vergangenen Herbst ein Gespräch zwischen Schwarz und Guggenberger moderiert - ohne Ergebnis.

Elbs betonte immer wieder, dass es ihm wichtig sei, als Kirche "Wunden zu heilen und Seelen zu wärmen". Er gilt als liberaler, besonnener Mann mit Weitsicht.

Auch persönlicher Freund Lackners in der Untersuchungskommission

Mit Christian Lagger, Chef des Grazer Krankenhauses der Elisabethinnen, soll ein guter Freund des Salzburger Erzbischofs in der Diözese Gurk-Klagenfurt mit für Aufklärung sorgen.

Lagger ist den Salzburgerinnen und Salzburgern noch nicht umfassend bekannt; bei Lackners Feier zum 60. Geburtstag im Juni 2016 sprach er in der Mozartstadt eine Laudatio auf den Salzburger Oberhirten und erwähnte, dass die beiden verbinde, dass sie Teile des Johannes-Evangeliums auf Latein zitieren könnten.

Bischof Schwarz im Kreuzfeuer der Kritik

Zwei Vergehen werden - grob zusammengefasst - dem früheren Bischof der südlichsten Diözese des Landes zur Last gelegt. Einerseits soll Alois Schwarz in seiner 17-jährigen Amtszeit wirtschaftlich mehrfach grob fahrlässig gehandelt haben. Andererseits haben seine Beziehungen zu Frauen, besonders zur früheren Leiterin des Bildungshauses St. Georgen, für Gerüchte und Verletzungen gesorgt.

Wesentlichste Kritikpunkte: Schwarz sei wegen dessen Nähe zu dieser (für Kirchenverhältnisse ungewöhnlich hoch entlohnten) Mitarbeiterin im Zusammenhang mit dem Zölibat erpressbar gewesen, er habe das Bistum mit 1,9 Mio. Euro Schulden hinterlassen und Kontrollmechanismen, die im Kirchenrecht vorgesehen sind, außer Kraft gesetzt. In diesem Zusammenhang ermittelt auch die Grazer Staatsanwaltschaft gegen den Bischof wegen des Verdachts der Untreue.

Schwarz sagte Auftritt in St. Virgil Salzburg ab

Eigentlich hätte Bischof Alois Schwarz bei der am Donnerstag beginnenden Österreichischen Pastoraltagung anwesend sein. Allerdings hat er seine Termine in Salzburg abgesagt. Die liturgische Eröffnung soll Franz Lackner übernehmen, Schwarz' Vortrag am Freitag mit Titel "Dasein mit den Menschen im Geist
des Evangeliums" entfällt, wie die SN erfuhren.

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Aufgerufen am 20.10.2019 um 11:16 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/vorwuerfe-gegen-bischof-schwarz-visitator-lackner-holt-amtskollegen-und-einen-guten-freund-zu-hilfe-63801565

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