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Der Klimawandel trägt zum Schneechaos bei

Die Niederschläge, die uns im Sommer gefehlt haben, werden jetzt im Winter ausgeglichen.

Der tägliche Kampf mit den Schneemassen: ein Ende ist noch nicht abzusehen. SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Der tägliche Kampf mit den Schneemassen: ein Ende ist noch nicht abzusehen.

So viel Schnee gab's schon lange nicht mehr in Österreich. Meteorologen sagen, dass solche Ereignisse nur alle 50 bis 100 Jahren eintreten. Da könnte man glatt denken, der Klimawandel verändert vielleicht doch nicht so stark unsere Jahreszeiten.

Doch es ist gerade die Änderung des weltweiten Klimas, die uns diese Schneemassen beschert. Der Forscher Peter Hoffmann vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam (PIK) erklärt den Zusammenhang: "Die Niederschläge, die uns im Sommer gefehlt haben, werden jetzt im Winter ausgeglichen." Und: Solche Schneemassen könnten künftig immer wieder auftreten, prognostiziert der Forscher. Nicht jedes Jahr, aber öfter, als einem lieb ist. Der Hintergrund dazu: Die Weltmeere haben sich den vergangenen Sommer über unverhältnismäßig stark erwärmt. So stark wie noch nie zuvor. Daher komme es zu Verdunstung, erklärt Hoffmann. Die Folge: Es ist grundsätzlich mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Die derzeitige Nordströmung, die über die Nordsee geht, wo das Wasser noch relativ warm für die Jahreszeit ist, transportiert diese Feuchtigkeit in Richtung Süden. "Diese Windströmung läuft genau gegen die Mittelgebirge Europas und gegen die Alpen." Der sogenannte Gebirgseffekt verstärke den Effekt noch, sagt Hoffmann. Dann falle in den Alpen und in den Mittelgebirgen, wo die Luft über den Gebirgskämmen sehr kalt sei, sehr viel Schnee und im Flachland eher Regen. Im Sommer führen solche Niederschläge zu Hochwasser wie zuletzt 2017 in Deutschland.

Die Wintertemperatur in Österreich liegt in den vergangenen Jahren auf dem höchsten Niveau der 250-jährigen Messgeschichte. Das bedeutet: Unsere Winter waren zuletzt eher warm. Hoffmann erklärt: Da die Temperaturen derzeit in den Alpen nicht besonders tief seien, entstehe ein sogenannter Frost-Tau-Wechsel. "Das macht die ganze Sache auch so gefährlich. Nach dem vielen Schnee droht in gebirgigen Regionen extremes Hochwasser."

Generell prognostizieren Klimaforscher, dass wegen des Klimawandels immer weniger Schnee fallen wird. So rechnen Wissenschafter bis zum Ende des Jahrhunderts mit 70 Prozent weniger Schnee.

Was mit den jetzigen Schneemassen nicht im Widerspruch stehen muss: Der Klimawandel, so resümiert Hoffmann, bringe Europa vor allem immer häufiger extreme Wetterlagen. Dazu gehörten extreme Trockenheit, extreme Regenfälle und eben, wie jetzt, totales Schneechaos. Die Atmosphäre nimmt insgesamt mehr Wasserdampf auf, weil es wärmer wird. Und darin liegt das Potenzial für gewaltige Niederschlagsmengen.

Auch die Zirkulation in der Atmosphäre ändert sich durch die Erwärmung der "Luft" und das verändert die Windsysteme, die das Wetter in Europa formen. So ist die Westwindzone zum Beispiel nicht mehr so stark. "In den vergangenen Jahrzehnten sehen wir dadurch in Europa lange und intensivere Trocken- und Hitzephasen. Zum anderen kommt es zu deutlich stärkeren Niederschlägen, die eben, wenn sie im Winter auftreten, in den Höhenlagen als Schnee fallen", betont der PIK-Experte.

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