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Mückstein: "Long Covid wird uns noch lange fordern"

Eine neue Leitlinie soll die Behandlung von Long Covid vereinheitlichen.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne).

Zwischen 60.000 und 90.000 Menschen sind in Österreich davon betroffen: Nach einer Coronainfektion leiden etwa zehn bis 14 Prozent auch danach noch unter lang anhaltenden Folgen. Die Symptome sind diffus - sie reichen von Atemproblemen, Muskelschwäche und Angststörungen bis hin zu einem allgemeinen Erschöpfungszustand, auch "Fatigue" genannt. An die 200 verschiedene Symptome von Long Covid sind bekannt. Häufig betrifft es zuvor kerngesunde Menschen, die auch Monate nach einer Covid-19-Erkrankung etwa keine Stiegen mehr steigen können oder sich schwertun, ein Buch zu lesen. Zu einem überwiegenden Anteil sind Frauen davon betroffen, aber auch Kinder und Jugendliche leiden darunter.

Die rund 30-Jährigen stellen derzeit die Hauptgruppe der mit Corona infizierten Personen in Österreich dar. Deshalb werde Long Covid auch bei dieser Gruppe in Zukunft wahrscheinlich mehr beobachtet werden müssen, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Freitag in Rahmen einer Pressekonferenz.

Neue Leitlinie zu Long Covid soll Ärzten helfen

Im Rahmen dieser Pressekonferenz stellte er eine neue Leitlinie vor, die Ärzten bei der Diagnose und Behandlung von Long Covid helfen soll. Die Leitlinie wurde gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin entwickelt. "Wir wissen, dass es eine Pandemie im Schatten der Pandemie gibt, die uns in den kommenden Jahren noch stark fordern wird", sagte Mückstein. Um möglichst viele weitere Fälle zu verhindern, appellierte der Gesundheitsminister einmal mehr an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.

Behandlung von Long-Covid-Patienten

In der Behandlung von Long-Covid-Patienten sei Zeit der wichtigste Faktor, sagte Lungenspezialist Ralf Harun Zwick. Eine effektive Methode sei das sogenannte Pacing. Dabei wird bewusst nur auf wenigen Prozent des aktuellen Fitnesslevels trainiert, das Level nur sacht angehoben. In kleinen Studien konnte übrigens gezeigt werden, dass bei etwa 30 Prozent der an Long Covid Erkrankten eine Besserung durch die Impfung erfolgte.

"Aber generell gleicht kein Patient dem anderen", sagte Susanne Rabady, Vizepräsidentin der ÖGAM. So individuell der Mensch sei, so individuell seien sowohl die Akutinfektionen mit SARS-CoV-2 als auch die Long-Covid-Erkrankungen.

Zu finden ist die neue Leitlinie unter www.oegam.at

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