Wie die Pest einst die Halleiner dahinraffte

Nur noch wenig lässt heute darauf schließen, dass in Hallein einst die Pest wütete. Wer sich damals nicht an die Maßnahmen hielt, den erwartete der Galgen. Welche Rezepte gegen die Pest helfen sollten, was es mit dem Pestspital auf sich hatte und welche Ähnlichkeiten Seuchen allgemein haben, hören Sie in dieser Podcastfolge von "Schattenorte".

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Schattenorte Anna Boschner
Heute sieht das ehemalige Pestspital ganz anders aus. Einer der wenigen Orte in Hallein, an denen sich festmachen lässt, dass dort die Pest wütete. SN/keltenmuseum hallein/stadtarchiv hallein
Heute sieht das ehemalige Pestspital ganz anders aus. Einer der wenigen Orte in Hallein, an denen sich festmachen lässt, dass dort die Pest wütete.

Dass die Pest vom 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts immer wieder in Hallein wütete, lässt sich heute nur noch an wenigen Orten festmachen. Einer dieser befindet sich in der Davisstraße - auf der rechten Seite der Salzach. In dem großen, weiß gestrichenen Haus mit den kleinen Fenstern und den hölzernen Balkonen befand sich früher das Pestspital der Stadt.

Anna Holzner, Historikerin im Keltenmuseum. SN/boschner
Anna Holzner, Historikerin im Keltenmuseum.

Drei Jesuitenpriester unter der Stadtkirche

Als die Stadtkirche in Hallein 2005 renoviert wurde, stieß man auf die Gräber von drei Priestern. "Wir nehmen an, dass es sich dabei um drei Jesuitenpriester handelt, die 1634 nachweislich an der Pest gestorben sind", sagt Anna Holzner, Historikerin im Keltenmuseum. Die drei Männer sollten ihr Leben geopfert haben, sagt die Historikerin. "Seuchen wurden damals immer als die Strafe Gottes gesehen, den Priestern kam also mit der Seelsorge eine entscheidende Rolle zu." Viele hätten dabei im direkten Kontakt mit den Infizierten ihr Leben gelassen.

Unter der Stadtkirche in Hallein fand man 2005 Hunderte Skelette. Nur wenige dieser Toten starben an der Pest, vermuten Historiker heute. SN/bernhard strobl
Unter der Stadtkirche in Hallein fand man 2005 Hunderte Skelette. Nur wenige dieser Toten starben an der Pest, vermuten Historiker heute.

Die Pest veränderte schon damals den Alltag der Bevölkerung. Obwohl seither mehrere Jahrhunderte vergangen sind, ließen sich im Umgang mit Seuchen Parallelen zu heute finden, sagt Rupert Breitwieser. Der Historiker und Salzburger Universitätsprofessor findet sogar Ähnlichkeiten mit Seuchenausbrüchen in der Antike - also einer Zeit, noch lange bevor die Pest jemals in Salzburg auftrat.

Rupert Breitwieser, Historiker und Universitätsprofessor. SN/kolarik
Rupert Breitwieser, Historiker und Universitätsprofessor.

Schattenorte: Der Podcast über die dunkle Geschichte Salzburgs

Im Podcast "Schattenorte" beleuchten die SN-Redakteurinnen Anna Boschner und Simona Pinwinkler die dunkle Geschichte in Stadt und Land Salzburg.
Haben Sie Fragen oder Anregungen zu dieser Episode? Oder kennen Sie Schattenorte in Ihrer Heimat, die es zu beleuchten gilt? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an podcast@sn.at

Literatur zu dieser Folge:

Nora Watteck (1983): Die Pest in Salzburg. - Mitt(h)eilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde - 123: 191-210.
Leopold Öhler (2013): Die Pest in Salzburg. Verlag Anton Pustet.

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