Innenpolitik

Bildungsminister Heinz Faßmann: "Heuer verschlankte Matura"

"Die mündliche Matura entfällt"- wie die Reifeprüfung, die am 25. Mai starten soll, in Zeiten von Corona abgelegt werden soll, erklärte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Bildungsminister Heinz Faßmann erklärt das weitere Vorgehen. SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Bildungsminister Heinz Faßmann erklärt das weitere Vorgehen.

Rund 42.000 Maturantinnen und Maturanten fragten sich bis heute, unter welchen Umständen sie die Reifeprüfung während der Coronakrise ablegen können. Nun ist klar: Die Matura wird stattfinden, aber ohne den mündlichen Prüfungsteil. Einen entsprechenden Bericht der "Salzburger Nachrichten" bestätigte Bildungsminister Heinz Faßmann am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Demnach soll es heuer "eine verschlankte Matura geben", sagte Faßmann. Ziel sei immer gewesen, dass die Maturanten einen Abschluss machen können. "Ich selbst weiß, wie wichtig Bildungsabschlüsse im Lebenslauf sind", sagte der Minister und erklärte, wie der Ablauf der Matura sein wird: "Heuer setzt sich die Maturanote aus der Note der achten Klasse und dem Ergebnis der schriftlichen Prüfungen zusammen." Schriftliche Maturaprüfungen soll es heuer außerdem nur drei geben. Und: "Die vorwissenschaftliche Arbeit wird und wurde normal benotet. Es ist aber keine mündliche Präsentation mehr notwendig", erklärte Faßmann.

Unterricht ab 4. Mai für Maturanten

"Wer eine mündliche Prüfung zusätzlich zu den schriftlichen Prüfungen will, der kann sie freiwillig auch ablegen." Das betrifft etwa Schüler, die sich verbessern wollen. "Aber natürlich unter bestimmten hygienischen Schutzbestimmungen."

Prinzipiell sollen die Maturanten ab 4. Mai wieder mit dem Unterricht starten. Die Vorbereitungszeit für die Reifeprüfung, die am 25. Mai starten soll, wird laut Bildungsminister heuer drei - und nicht zwei Wochen - dauern.

Schularbeiten zum Abschluss der achten Klasse werden in maximal drei Gegenständen geschrieben nur in jenen Gegenständen, in denen ein Schüler oder eine Schülerin maturiert. Diese können kürzer sein als bisher, sie dienen vor allem der Vorbereitung zur Matura.

So sieht der geplante Zeitplan aus:

Am 25. Mai starten die Berufsbildenden Höheren Schulen in "nichtstandardisierte Prüfungsgebiete"
26. Mai: Deutsch
27. Mai: Englisch
28. Mai: (Angewandte) Mathematik
29. Mai: Französisch oder Latein oder Griechisch
03. Juni: Spanisch oder Italienisch oder Volksgruppensprachen

"Es wird sich Desinfektionsmittel in den Klassenräumen befinden", sagte Faßmann und zu den Schutzvorkehrungen während der Matura: "Alle Maturanten werden einen Mundschutz bekommen, der während der Klausur abgenommen werden darf", so der Minister. "Maturanten mit Vorerkrankung können in einem abgetrennten Raum die Prüfung ablegen", erklärte Faßmann. Außerdem wird die gesamte Prüfungszeit verlängert, damit die Prüfungsräume immer wieder ausreichend belüftet werden können"Wer krank ist, der kann nach Vorlage eines Attests zu einem Nebentermin antreten." Wer ein Nicht Genügend erhält, kann dieses im Juni bei einer Kompensationsprüfung ausbessern.

Insgesamt müsse die Qualität der Matura muss erhalten bleiben, so Faßmann. "Aber man darf auch nicht sagen, das ist eine normale Zeit in der wir leben."

Auch Änderungen bei Lehrabschlussprüfungen

Für Berufsschulen gilt: Lehrlinge, die die letzte Klasse der Berufsschule positiv abgeschlossen haben, müssen nicht zum theoretischen Teil der Lehrabschlussprüfung antreten - die Note wird automatisch angerechnet. Wer negativ abschließt, kann die Fachtheorie im Rahmen der Lehrabschlussprüfung absolvieren. Auch die Lehrlinge im letzten Jahr dürfen ab 4. Mai unter hygienischen Auflagen an die Schulen zurück.

Weiter Online-Vorlesungen an Unis

Für die Hochschulen präsentierte Faßmann ebenfalls Überlegungen. Er habe die Rektoren angeschrieben und sie um Konzepte "für eine kontrolliere Öffnung" der Hochschulen gebeten. Alles müsse unter bestimmten hygienischen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen ablaufen. Laut Faßmann soll es weiterhin Online-Vorlesungen geben. "Die Forschung soll schrittweise wieder hochgefahren werden". Auch Bibliotheken will der Bildungsminister wieder aufsperren. "Allerdings nicht die Lesesäle." Prüfungen sollen unter den hygienischen Schutzbedingungen stattfinden können. Für die ÖH ist das zu wenig. Sie kann den heute präsentierten Regelungen wenig abgewinnen: "Es braucht endlich große Lösungen. Erste kleine Lockerungen sind zwar schön und gut, die wichtigen Antworten ist uns das Ministerium aber immer noch schuldig. Wo bleibt die Regelung zur Rückerstattung der Studiengebühren? Die Studierenden können nicht länger warten. Das Ministerium schlägt einen Haken nach dem anderen um den Problemen der Studierenden aus dem Weg zu gehen", kritisiert Adrijana Novakovic vom ÖH Vorsitzteam.

Wie geht es im normalen Schulbetrieb weiter?

Noch unklar ist, wie es für die anderen Schüler und Kindergartenkinder weitergeht. An den Einrichtungen werde weiterhin Betreuung angeboten, so Faßmann. Die konkrete Vorgehensweise bei der schrittweisen Öffnung hin zum Regulärbetrieb werde erst nach Ostern festgelegt. Wenn aufgrund der Öffnung anderer Bereiche mehr Kinder zur Betreuung in die Schulen kommen, ist das für Faßmann kein Problem. Unter Umständen müssten aber die Lehrer beim Distance Learning Abstriche machen, wenn sie mehr Schüler sowie zusätzlich die Maturanten vor Ort betreuen müssen. Für ein generelles Absehen vom Sitzenbleiben ist es für Faßmann noch zu früh: An den Schulen könne im Mai und Juni noch unterrichtet werden. Daher könne er jetzt noch nicht sagen, wie konkret die Noten zustandekommen werden.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 12:14 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/bildungsminister-heinz-fassmann-heuer-verschlankte-matura-85948786

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