Innenpolitik

Faßmann kündigt neue Coronatests für ältere Schüler an - Osterruhe sei "begrüßenswert"

Die Osterferien kommen zur rechten Zeit, die Pandemie könne so abgeflacht werden, sagen Experten. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kündigte für die Zeit nach der Öffnung sensitivere Tests für ältere Schüler an.

In den Schulen Ostösterreichs wird es in der Woche nach Ostern wieder Distance Learning geben, danach sind breitflächige PCR-Tests für Schüler und Lehrer geplant. Das gaben die Landeshauptleute von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland am Mittwoch bekannt. "Die Idee der Osterruhe ist eine begrüßenswerte", sagte Bildungsminister Heinz Faßmann am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Die Schulen seien für den Betreuungsbedarf geöffnet, Faßmann appellierte aber: "Bitte nutzen Sie das Angebot nur, wenn es nicht anders geht." Persönliche Kontakte sollten in dieser Osterruhe minimiert, die Mobilität insgesamt heruntergefahren werden.

14 Tage Quarantäne für die Klasse ab zwei positiven Fällen

Übersteigt die Sieben-Tages-Inzidenz in einer Gemeinde oder einem Bezirk den Wert von 400 und ist dieser Anstieg nicht auf ein spezifisches Ereignis wie etwa einen Cluster in einem Betrieb zurückzuführen, dann wechseln Schulen ins Distance Learning. Umgekehrt soll aber auch gelten: Wenn sich die Inzidenz dauerhaft ("Die Betonung auf dauerhaft ist wichtig") sinkt, könnte aus Schichtbetrieb auch wieder ein voller Präsenzbetrieb werden. Außerdem wird das Kontakpersonenmanagement ausgebaut: Schüler und Lehrer mit einem Infektionsfall in der Klasse werden dabei automatisch als Kontaktperson der Kategorie 1 gewertet werden. Wenn neben dem Indexfall eine zweite Person positiv PCR getestet wird, wird die Klasse in Quarantäne geschickt - diese dauert dann 14 Tage.

Komplexere Tests für Schüler über 10 Jahre

Dass die Schulen bislang relativ gut durch diese epidemiologische dritte Welle gekommen seien und mehrheitlich offen gehalten werden konnten, sei Faßmann zufolge der Testoffensive zu verdanken. "Das Testen ist zur Routine geworden." Ohne Schule würden sich viele Jugendliche auch treffen, aber dann ohne Maske, ohne Testung. Fast alle Schüler würden mitmachen, nur etwa ein Prozent bleibe im Homeschooling.
Der Kritik, die Selbsttests seien zu wenig sensitiv, entgegnet Faßmann mit pragmatischen Gründen: "Eine PCR Testung aller Schüler und Schülerinnen, inklusive Lehr- und Verwaltungspersonal, und das mehrmals in der Woche überschreitet logistische Grenzen." Bei den Sechs- bis Zehnjährigen werden die Nasenbohrertests daher weiter eingesetzt, kündigte Faßmann an. Die Älteren sollen künftig komplexere Tests, die sensitiver und daher aussagekräftiger seien, verwenden. Diese erfordern aber ein Pipettieren. An der Testfrequenz (dreimal in der Woche an Volksschulen, zwei- bis dreimal an den anderen) ändert sich nichts.
Den Anteil an geimpften Pädagogen bezeichnete der Minister als "respektabel", bis Schülern ein Impfstoff zur Verfügung stehe, werde es aber dauern.

Pro Woche gebe es mehr als tausend positive Coronatests bei Kindern und Jugendlichen in Österreichs Schulen, sagte Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien. "Tests sind ein gutes, Werkzeug, das dazu beitragen kann, die Pandemie abzuschwächen." Durch die Tests werde zwar keine Trendumkehr bewirkt, jedoch ein Abflachen der Kurve hin zu einem linearen statt exponentiellen Wachstum, erklärt die Virologin. Kinder seien wichtige Teile der Infektionsketten, daher sei es notwendig, diese frühzeitig zu entdecken und abzuschotten. "Auch Kinder können schwer erkranken", sagte Redlberger-Fritz. Die schwerwiegenden Fälle seien aber sehr selten.

Virologin Redlberger-Fritz: "Osterferien kommen zur rechten Zeit"

Auch die Medizinerin begrüßt die verlängerte Osterruhe im Klassenzimmer: "Schulschließungen haben einen positiven Effekt auf den Verlauf einer Pandemie." Das habe man im Frühjahr vergangenen Jahres während der ersten Welle gesehen. "Aber es gibt nicht nur die epidemiologische Seite, sondern auch die psychische, gesellschaftliche Seite." Daher sei immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung durchzuführen. "Wenn 50 bis 80 Prozent der Schüler in der Notbetreuung sind, würde es das Ganze ad absurdum führen." Dann sei eine kontrollierte Schulöffnung zu bevorzugen, sagte die Medizinerin. "Die Osterferien kommen zur rechten Zeit, das Distance Learning verschafft uns Zeit."

Schüler und Eltern haben Verständnis für Distance Learning im Osten

Eltern- und Schülervertreter zeigen Verständnis dafür, dass die Schüler in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in der Woche vom Ostermontag in den Fernunterricht zurückkehren, wie die APA am Donnerstag berichtet. "Damit kann man schon leben", so Christoph Drexler, Sprecher der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV). Auch Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek findet die Maßnahme vertretbar, immerhin seien Jugendliche von der britischen Mutation stärker betroffen. Wichtig sei jedoch, dass für Schüler unter 14 wieder Betreuung angeboten werde, so Elternsprecher Drexler. Und: "Womit wir nicht leben könnten, wäre, wieder wochenlang ins Distance Learning zu gehen." Schon jetzt sei die psychische Belastung für Kinder und Jugendliche enorm. Aus demselben Grund hofft auch Bundesschulsprecherin Bosek, dass bei hohen Infektionszahlen rasch andere Maßnahmen gefunden werden, als die Klassen zu schließen.

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