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Finanzminister Blümel bei seiner Budgetrede: "Nulldefizit ist möglich"

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hat am Mittwoch seine zweite Budgetrede im Nationalrat gehalten. Die Regierung hat gemeinsam mit dem neuen Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) den Finanzplan für 2022 und die kommenden Jahre beschlossen. Schwerpunkt des Budgets ist die "ökosoziale Steuerreform" mit dem CO2-Preis, dem "Klimabonus" und der Lohnsteuersenkung.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hält seine zweite Budgetrede im Nationalrat.
Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hält seine zweite Budgetrede im Nationalrat.

Das unerwartet hohe Wirtschaftswachstum und die niedrigen Zinsen für die Staatsschulden erleichtern die Budgetsanierung nach der Coronakrise. Finanzminister Blümel rechnet für das kommende Jahr mit einem gesamtstaatlichen Defizit von 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung und sinkenden Schulden. Im April hatte Blümel noch ein Minus von 4,3 Prozent und Rekordschulden von 89,6 Prozent erwartet.

Nulldefizit nach der Krise möglich

Laut Blümel sei "ein Nulldefizit bis 2025 möglich." Der neue Budgetplan sei eine Antwort auf die Zukunft: "Je schneller wir Pandemie hinter uns lassen, desto schneller kommen wir zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Stabilität." In der Krise waren "harte Entscheidungen und Maßnahmen notwendig" und die Regierung hätte sich nicht vor der Verantwortung gedrückt. Der Finanzminister bedankte sich bei allen, auch der Opposition, dass sie gemeinsam richtige Beschlüsse in "dieser Jahrhundertkrise" gefällt hätten, denn "es gab keine Blaupause für Corona." Er rechtfertigte so die erhöhten Ausgaben während der Pandemie. Jetzt gehe es um den Schuldenabbau und eine nachhaltige Budgetpolitik.

Die wichtigsten Zahlen zum Budget

Einen riesigen Sprung nach oben machen die Ausgaben für "Klima und Umwelt". Sie steigen von 680 Millionen, die heuer für dieses Kapitel veranschlagt wurden, auf 2,4 Milliarden Euro, das ist eine Steigerung von mehr als 250 Prozent. Ursache für den Sprung sind die Ausgaben für den Klimabonus, den die Regierung am 1. Jänner des kommenden Jahres auszahlen will. Dafür sind für die Periode von 2022 bis 2025 rund 5,5 Milliarden Euro vorgesehen.


Kleiner hingegen wurde das Budget für das Kapitel "Arbeit". Wurden im vergangenen Jahr noch fast 16 Milliarden dafür veranschlagt, so waren es heuer nur noch 13,5 Milliarden. Im kommenden Jahr werden die Ausgaben auf 9,1 Milliarden reduziert. Dafür gibt es einen erfreulichen Grund: Die Arbeitslosigkeit geht rasant zurück, und auch die Ausgaben für die Kurzarbeit konnten drastisch zurück gefahren werden.


Einige weitere Eckpunkte: Das Bildungsbudget steigt um 3,1 Prozent, hier müssen auch mehr als 300 Millionen für die Coronatests an den Schulen untergebracht werden. Das Forschungsbudget steigt um 7,3 Prozent, hier schlagen vor allem Ausgaben für internationale Forschungsprojekte zu Buche. Für den Breitbandausbau sind 624 Millionen Euro vorgesehen. Zusätzlich will der Staat mehr für Kunst und Kultur ausgeben und im Zuge dessen sei die Sanierung der Festspielhäuser in Salzburg und Bregenz gedeckt. Auch die Sportförderung wurde aufgestockt.

Veränderungen im Budget 2021 auf 2022

Die vier großen Punkte der Ökosozialen Steuerreform

Die Ökosoziale Steuerreform bezeichnet Finanzminister Blümel als "das große Projekt" und möchte die Versprechen des Ex-Bundeskanzlers Sebastian Kurz halten.

1. Arbeitende Menschen sollen mit insgesamt 6 Milliarden Euro entlastet werden: Unter anderem durch die Senkung der Einkommenssteuer, der Erhöhung des Familienbonus und des Klima-Mehrbetrags. Die Österreicher sollen "mehr zum Leben" haben, betonte Blümel.

2. Umweltfreundliches Verhalten soll sich auszahlen (Klimabonus): Es soll zu einer ökologischen Wende kommen mit CO2 Bepreisung. Das gehe aber "nur mit den Bürgern und Bürgerinnen." Es soll dennoch Rücksicht auf die Lebensumstände der Menschen genommen werden, denn nicht jeder hätte eine U-Bahn vor der Haustür, erklärt der Finanzminister.

3. Der Standort soll gestärkt werden, Arbeitsplätze und Wohlstand sollen gesichert werden. Blümel wolle Ökologie und Ökonomie vereinen und Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

4. Die Schuldenquote soll gesenkt senken: Blümel geht davon aus, dass die Schuldenquote trotz der in mehreren Etappen geplanten Steuerreform von heuer 83,2 Prozent im kommenden Jahr auf 82,8 und dann weiter auf 72,5 Prozent im Jahr 2025 sinkt.

Als Gründe für die unerwartet positiv Entwicklung nannte er das deutlich höhere Wirtschaftswachstum mit entsprechend steigenden Steuereinnahmen, die niedrigen Zinsen für die Staatsschulden sowie die gestaffelte Steuerreform, die nicht alle Entlastungen sofort wirksam werden lässt.

Hier finden Sie die Grafiken zum Budget aus dem Finanzministerium.

KOMMENTARE (4)

Anna Gruber

Nach der Corona-Krise sind Schuldenabbau Stärkung der Ökosozialen Marktwirtschaft für eine möglichst hohe Beschäftigung die vordringlichsten Ziele von Finanzminister Gernot Blümel.
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Klaus Duschek

S.g. Frau Gruber - Ihre Kurz-Verehrung (die leider nicht kurz ist) kann durch Ihre Dyskalkulie (denn nur wenn man nicht rechnen kann, kommt man mit den Zahlen von Blümel zurecht - bin schon gespannt, wie er seine Zahlen rettet, wo die deutschen Wirtschaftsweisen ihre Wachstumsprognose für 2021 und 2022 gegenüber ihren ursprünglichen Annahmen deutlich zurücknehmen .... ) und Ihre schon beinahe als Dyslexie zu bezeichnende Grammatikschwäche (in einen Satz mit 22 Worten zwei Fehler (ein Rechtschreib- und ein Grammatikfehler) einzubauen, ist auch irgendwie eine Leistung) erklärt werden. Und der "Inhalt" Ihrer leider inhaltsleeren Wiederholungen von türkisen NLP-Hülsen disqualifiziert sich ohnehin von selbst.

Klaus Duschek

Also unser Herr Philosoph hält ein Null-Defizit für möglich - na ja, wir wollen das mal ein wenig in Frage stellen und blenden dazu ins Jahr 2020, März zurück. Damals stellte sich ein gewisser Mag. Blümel, von Beruf finanzministernder Philosoph, vors Mikrophon und erklärte gönnerhaft, er habe für die Kurzarbeit (unglaubliche) EUR 350.000.000,00 bereitgestellt. Eine große Summe?? Nun gut, EUR 350.000.000,00 - also 350 Millionen - ist nicht wenig, jedoch hätte ein klein wenig Kenntnis der österreichischen Wirtschaft genügt, um die Lachhaftigkeit, um nicht zu sagen Sinnlosigkeit, dieser Summe erkennen zu können. Konkret - in Österreich sind etwas mehr 4.000.000 Menschen unselbständig beschäftigt und es stand wegen der Maßnahmen der sogenannten Regierung zu befürchten, dass jedenfalls ein Viertel, also etwa eine Million Menschen in die Kurzarbeit rutschen. Wenn man weiters unterstellt (was ihm wegen der zur Verfügung stehenden Datenbasis erkennbar hätte sein können), dass die durchschnittlichen Bruttolohnkosten (also inklusive anteiligem 13/14 Gehalt samt allen Lohnnebenkosten) in Österreich sicherlich um die EUR 3.500,00 je Mitarbeiter und Monat liegen, hätte sogar ein Philosoph ausrechnen können, dass die Kosten der Kurzarbeit je Monat bei mindestens EUR 3.500.000.000,00 - also DREIEINHALB MILLIARDEN - liegen werden. Der Herr Philosoph hat sich also grob um die Kleinigkeit des FAKTORS ZEHN (für die Rechenschwachen - man multipliziert dabei) geirrt. Ich hoffe, man versteht daher meine Zweifel, ob der wiederum vollmundigen (und vermutlich gleich wie März 2020 absolut erkenntnisbefreiten) Ansage des Mag. Blümel, er halte ein Nulldefizit für möglich. Ein solches ist allein schon wegen der (hoffentlich) einsetzenden Rückführung der durch die Corona-Maßnahmen verursachten Schulden mehr als illusorisch. So sehr ich mir also wünschte, der Philosoph würde korrekt die Zukunft abbilden, so wenig wahrscheinlich erscheint dies in Anbetracht der wirtschaftlichen und budgetären Verheerungen der letzten 18 Monate.
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Marcus Diess

Weisheit ist ein Privileg des Alters, was ich dieser Kleinkinder Regierung absolut abspreche. Dahingegen scheint ungezügelter Opportunismus und Machtgier sowie massiver Einsatz machiavellistischer Manipulationsmethoden dieser gierigen jungen Buben (NLP und wie all diese menschenrechtsverachtenden Methoden heissen) inzwischen en vogue und seit Trump legitim, was ich zutiefst ablehne! Stellt sich auch die Frage wie viel "Marschierpulver" die täglich schnupfen? Eine Analyse des Abwassers am Ballhauspletz würde nicht schaden ebenso wie Dopingkontrollen i.d. Politik wie im Sport ;-)) Die Türkisen begehen und begingen massive Rufschädigung aller Österreicherinnen und Österreicher und mir als weit gereistem Menschen ist es seit Viktor Klima, Schwarz-Blau I und nun II hochpeinlich Österreicher zu sein! Früher hatten wir noch Gründe ein wenig stolz zu sein, das ist nun vorbei! Wir sind nämlich keine dummen Lemminge denen man Alles einreden kann und die ÖVP war mir wesentlich sympathischer als sie sich noch als christlich-sozial definierte - btw: Hochachtung vor Frau Merkel, die öffentlich Fehler eingestand und damit wirklich Charakter bewies, aber unsere PolitikerInnen machen ja keine Fehler, wie wir Alle wissen... peinlich!
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